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Der Titel Warrior Cats Fanstory bezeichnet eine Fangeschichte zu der Buchreihe Warrior Cats von Erin Hunter.

Unsere Fanstory, auch unter dem Namen Projekt Sunslash bekannt, dreht sich um einen Charakter unserer Gründerin. Ihr Name ist Sonnenstern. Das Projekt beschreibt die Entwicklung Sonnensterns, beginnend vor ihrer Geburt, endend mit ihrem Tod. Es ist eine lange, explizit geschriebene Geschichte. Sonnenstern fungiert als Protagonistin, beschrieben werden ihre Liebschaften, ihre Freunde und Feinde, und ihre Entwicklung zur Anführerin. Auch andere Charaktere werden vorgestellt. Außerdem gibt es Kurzgeschichten, die von verschiedene Charaktere handeln.

Gegründet würde das Projekt von Shani, es helfen jedoch weitaus mehr Leute mit.

Sonnensterns SchattenBearbeiten

Sonnensterns Schatten (Englisch: Sunstar's Shadow) ist das erste Buch von Projekt Sunslash.

PrologBearbeiten

Kurz nach Einbruch der Morgendämmerung schob sich die schlanke Gestalt einer Kätzin durch den Wald. Ihr Blick streifte wachsam die feuchten Blätter um sich herum, als würde sie verfolgt. Einmal zuckte sie leicht zusammen, als ein Wassertropfen von den Ästen auf ihr hellbraunes Fell fiel, doch nur Herzschläge später zeigte sich wieder die Müdigkeit in ihre blauen Augen. Beruhigend raschelte das Laub im morgendlichen Wind. Fast einschläfernd. Noch war die Luft kühl, doch die Kätzin spürte bereits, dass es ein warmer Tag werden würde. Noch immer lag der Schmerz der Geburt, welche diese Nacht erfolgt war, in ihren Muskeln und erinnerten sie an die Nacht aus Schmerzen und Qualen, kreischend in dem Versuch, es endlich hinter sich zu bringen. Erschöpft, aber zufrieden, betrachtete sie das kleine, orangefarbene Bündel Fell in ihrem Maul. Erst wenige Stunden alt wirkte es auf typische Weise zerbrechlich. Ihr Herz erfüllte sich mit mütterlichen Stolz, als sie das leise Miauen hörte. Mit vorsichtigen Schritten trug die Königin ihr Junges durch den Wald zum Lager des Clans. Der Ausgang war unbewacht, was ihr durchaus entgegenkam. Elegant schlüpfte sie durch die Passage hinein.

Drinnen herrschte schon ein reges Treiben. Sie erkannte die Heilerin, die mit gewohnt grimmiger Mine an einigen Kräutermischungen arbeitete und ihre volle Konzentration auf die Heilmittel richtete. Niemand schien sich nach ihr umzusehen, was die Königin erleichterte. Wachsam trabte sie über die Lichtung, vorbei an Kriegern und Ältesten. Niemand schien ihr Beachtung zu schenken. Grade als sie noch wenige Mäuselängen von der Kinderstube entfernt war, vernahm sie eine wohlbekannte Stimme. „Morgensee! Mutter!“, rief eine helle, bräunliche Kätzin, welche Morgensee sehr ähnlich sah, und trabte neugierig zu ihr herüber. Harzblatt, ihre Tochter. In den graugrünen Iriden der Kätzin spiegelte sich eine Mischung aus Neugier und Neid. Einige andere hoben den Kopf. Für einen Augenblick hob die Heilerin ihren Blick. In ihren Augen lag Misstrauen, das konnte Morgensee bereits jetzt erkennen. Er brannte sich schmerzhaft in ihren Nacken. Zwei Krieger unterbrachen die Inspektion des Frischbeutehaufens und starrten interessiert herüber. Wenn jetzt noch Nesselstern auftauchen würde, wäre alles verloren. Insgeheim betete sie zum SternenClan, dass sich unter ihr ein Loch öffnen und sie verschlucken würde. Scheinbar wurden ihre Gebete erhört, aber Morgensee war trotzdem sauer. „Wer ist das?“ Der Unterton war freundlich, aber misstrauisch. Insgeheim knurrte Morgensee. Ihre infantile Tochter drohte den ganzen Clan auf sich aufmerksam zu machen. Die ersten Katzen hoben bereits neugierig die Köpfe. Von dem Lärm Harzblattes herbeigelockt, trabte auch deren Bruder Sumpfschweif herbei. Sein Blick streifte das Junge in Morgensees Maul. „Woher hast du das Junge?”, miaute er. „Hast du es irgendwo aufgelesen?“ Morgensee setzte das orangene Fellbündel vorsichtig ab und zog sie sanft an ihren Bauch. Das Kleine drückte mit einem Schnurren ihr Wohlbefinden aus. „Sie ist mein Junges. Genau wie ihr es seid.“ Einen Herzschlag lang wirkten die Beiden überrascht, doch das legte sich rasch wieder. „Soll das heißen...“, setzte Harzblatt vorsichtig an. „Die Kleine... Ist unsere jüngere Schwester?“ Morgensee neigte den Kopf: „Ja. Ihr Name ist Sonnenjunges.“ Sie stellten keine Fragen, sagten überhaupt nichts, bis Harzblatt murmelte: „Ich mache dir ein Nest in der Kinderstube. Kommt mit, Mutter.“ Sie winkte freundlich mit dem Schwanz, die Bewegung wirkte einladend. Sumpfschweif nickte: "Ist es schlimm, wenn ich mich nun wieder meinen Kriegerpflichten widme? Gleich startet eine Patrouille zur Grenze und ich möchte ungern zurückgelassen werden." "Nein, geh nur, mein Sohn", murmelte Morgensee leise. Sie hob Sonnenjunges vom Boden auf und folgte ihrer Tochter in Richtung Kinderstube. Die Kätzin hatte fröhlich eine Melodie miauend begonnen hatte, Nestmaterial zusammenzusuchen. Sie wirkte so unschuldig in ihrem Tun, naiv, aber die Königin ahnte, dass ihr eine bestimmte Frage nur so auf der Zunge brannte.

"Ist sie... wirklich unsere Schwester?", fragte Harzblatt neugierig nach wenigen Minuten der Arbeit, während sie ungelenk nach etwas Moos für den Schlafplatz angelte. "Natürlich." Morgensee hielt ihre Antworten bewusst kurz und knapp. "Ich wusste nicht, dass du trächtig warst. Hättest du nur etwas gesagt, dann wären Sumpfschweif und ich immer für dich da gewesen", plauderte Harzblatt weiter und schichtete alles auf, wobei sie sorgfältig die trockenen von den feuchten Bestandteilen trennte. Sie schwieg, säugte nur Sonnenjunges. Ihre ältere Tochter kroch halb über den Boden: "Ich habe Schwanenfedern gefunden! Die sind besonders weich! Herrlich kuschlig, und wenn sie älter ist, kann Sonnenjunges damit bestimmt auch spielen." Morgensee blinzelte. "Du... musst das nicht tun. Als Kriegerin macht man sowas nicht mehr, das weißt du auch." Für einen Moment hielt die bräunliche Kätzin inne und betrachtete Morgensee: "Ich bin doch noch nicht lange Kriegerin. Mir macht das nichts, ehrlich." Danach schwiegen sie. Es war kein Laut zu hören außer dem Kratzen des Nestmaterials. Bis Harzblatt dann schüchtern fragte: "Wer... ist der Vater?" Ihre Mutter wandte den Kopf ab. "Niemand", sagte sie rasch. Ihr Ton war härter als beabsichtigt. Harzblatt erschrak sichtlich. "Dein Nest ist fertig. Es ist ganz weich", wechselte die junge Kriegerin rasch das Thema. "Danke... aber nun lass mich in Ruhe." Harzblatt neigte den Kopf: "Ja, Mutter."

Wenige Minuten nachdem Harzblatt aus den Bau verlassen hatte, fiel ein Schatten in den Eingang der Kinderstube. Morgensee, die sich bereits mit Sonnenjunges in ihr Nest gelegt hatte, hob überrascht und leicht verärgert den Kopf, als sich der Eingang verdunkelte. Eine schlanke, schwarze Kätzin mit sandfarbenen Flecken kam herein. Beschienen vom grellen Licht der heißen Mittagssonne schien sie von einem Kranz aus gleißenden Sonnenstrahlen umgeben zu sein. Der Kätzin haftete der durchdringende Geruch von Kräutern an. Mit kalten, giftgrünen Augen schien sie Mutter und Tochter in Grund und Boden starren zu wollen. Misstrauisch blinzelte Morgensee und verengte die Augen zu Schlitzen. „Giftblick. Was willst du? Meiner Tochter geht es gut, sie braucht keine Heilerin.“ Die angesprochene Käzin musterte die Königin und Sonnenjunges und verzog das ohnehin schon grimmige Gesicht. „Meine liebenswerte Schwester schickt mich.“, gab Giftblick mit vor Sarkasmus triefender Stimme von sich. Sie klang gereizt. „Sie hat von deinem Nachwuchs gehört und nun soll ich es mir anschauen. Das war ein unumstößlicher Befehl. Als ob ich nichts Besseres zu tun hätte!“, knurrte sie und beugte sich über das Kleine. Morgensee beobachtete die Heilerin mit zusammengekniffenen Augen, ehe sie Sonnenjunges dem Blick Giftblicks preisgab. Ein unzufriedenes Mauzen ertönte, Giftblick zuckte zusammen und fuhr fauchend zurück. Ein Tropfen Blut floss aus einem winzigen Kratzer an ihrer Nase. Sonnenjunges hatte sich an die Schnauze der Heilerin geklammert, die nun drohend knurrend versuchte, sie abzuschütteln. "Giftblick, hör auf!", kreischte Morgensee bestürzt und sprang auf. Doch obwohl sie immer noch blind und taub war, grub Sonnenjunges ihre winzigen Krallen fester in deren Fell. Morgensee beobachtete die Situation und musste trotz ihrer Angst unwillkürlich schnurren, sollte Sonnenjunges doch ihren Spaß haben. Insgeheim lächelte die Königin. Eine echte Kämpfernatur, ihre Tochter. Jedoch riss Giftblick mit einem plötzlichen Ruck den Kopf zurück, woraufhin Sonnenjunges ihren Halt verlor und zurück ins weiche Moos plumpste. Morgensee zuckte zusammen, aus Angst um ihr noch hilfloses Junges. Doch das Maunzen, was Sonnenjunges von sich gab, ließ darauf schließen, dass es ihr gut ging. Sie entspannte sich. Giftblicks Augen hingegen schienen Mutter und Tochter vernichten zu wollen und mit einem dunklen, grollenden Knurren stolzierte Giftblick zum Rande der Kinderstube. „Ein gesundes, lebhaftes Junges”, fauchte sie, wobei ihre Stimme vor Sarkasmus tropfte wie Gift von Vipernzähnen. Die Entscheidung der Heilerin stand damit fest: „Hier gibt es nichts für mich zu tun. Verschwendete Zeit.” Hocherhobenen Hauptes marschierte sie nach draußen ins warme Sonnenlicht und hinterließ hinter sich nur eine winzige Blutspur. Draußen grummelte sie: "Zu lebhaft."

Dann hielt Morgensee es nicht mehr in der Kinderstube aus, denn wie durch eine dicke Schneedecke hatte sich eine bedrückende Schwere über den Bau gelegt. Sie erhob sich vorsichtig, um Sonnenjunges nicht zu wecken. Die Kleine schlief seelenruhig weiter, ihre winzigen Pfoten zuckten dazu. Unwillkürlich musste sie an die anderen Katzen im Clan denken, die bereits jetzt das Junge kannten, bevor Nesselstern es offiziell verkündet hatte. Was mochten sie nur über sie denken? Waren sie geschockr? Morgensee befreite sich von den bedrückenden Gedanken und schlich sich auf leisen Pfoten aus dem Bau und spürte wie ihr sogleich die warme Sonne angenehm auf das Fell schien. Ihre Pupillen hatten sich aufgrund der plötzlichen Helligkeit verengt, weswegen sie mehrmals blinzelte und dann langsam zum Teich ging, welcher in der Mitte des Lagers lag. Sie senkte den Kopf und trank einige Schlucke des kühlen, klaren Wassers, ehe sie für einen Moment innehielt. Irgendwas stimmte hier nicht. Fast schon etwas nervös blickte Morgensee sich um, in der Hoffnung herauszufinden, was sie so störte, doch das einzige, was sie spürte war ein brennendes Gefühl in ihrem Fell, wie als würde sie jemand durchdringend anstarren.


überarbeiten Morgensee musste ein gereiztes Stöhnen unterdrücken. Hatten ihre Clan-Gefährten denn nichts Besseres zu tun?


„Vielleicht war es ein scheußliches Hauskätzchen, die Kleine ähnelt ihm nicht einmal ansatzweise. Wäre schließlich nicht untypisch, wenn Morgensee untreu gewesen wäre”, knurrte eine andere Katze. Der Unterton war giftig wie ein Natternbiss. Morgensee zuckte zusammen. Die Worte schmerzten ihr mehr als jeder anderen Katze.


Nur unterbewusst bekam die Königin mit, wie sich das Getrappel der Pfoten ihrer Clangefährten entfernte,denn ihr Kopf war ganz woanders. Sonnenjunges hatte ihr Ärger gebracht. Doch das trübte ihre mütterliche Liebe nicht. Noch nicht.

Und so bekam sie auch nicht mir, was sich außerhalb der Kinderstube anbahnte. Denn langsam wie eine Gewitterwolke wuchs der Unmut im Clan.

Die Augen der Anführerin brannten sich eisern in seine. „Niemand, aber auch wirklich niemand rührt ein Jungs unserer Kätzinnen an.“


Morgensee döste mit halbgeschlossenen Lidern. Immer noch schien alles friedlich zu sein. Sonnenjunges schlief an ihren Bauch gekuschelt, sie schnurrte leise. Für einen Moment betrachtete sie ihre jüngste Tochter liebevoll. Aber als sie ihren Kopf wieder auf den Pfoten legen wollte, vernahm sie außerhalb der Kinderstube vertraute Stimmen. „Braunstreif kann sich glücklich schätzen“, bemerkte eine Stimme. Eine andere erwiderte nur: „Der Clan auch. Wir haben seit Monden keine Jungen mehr gehabt. Trächtig ist auch keine Kätzin. Wir wussten es ja nicht einmal von Morgensee.“ „Eben. Wir sollten mal wieder ein paar Weiber schwängern.“ Allgemeines Lachen war die Folge. Morgensee seufzte erleichtert auf. Eine dritte Stimme warf ein: „Denkt ihr wirklich, dass Braunstreif der Vater ist? Die Beiden haben sich doch vor einigen Monden getrennt!“ Der erste Sprecher schnaubte: „Wenn nicht er, wer dann?“ „Vielleicht war es ein scheußliches Hauskätzchen. Wäre schließlich nicht untypisch.“, knurrte eine andere Katze. Morgensee zuckte zusammen. Die Worte schmerzten ihr mehr als jeder anderen Katze. Schließlich war sie selber früher ein Hauskätzchen gewesen. In einem Anflug von Wut grub sie ihre Krallen in das weiche Nest unter ihr und ihr Fell sträubte sich. „Wir sollten nicht über eine Mutter reden. Wenn eine Königin nicht über den Vater sprechen möchte, so ist das in Ordnung. Wir sollten einfach erstmal abwarten und uns über den willkommenen Nachwuchs freuen.“ Zustimmendes Miauen war die Folge, doch einer meinte: „Vielleicht war es auch ein Streuner oder Einzelläufer...“ Die Übrigen schwiegen. Morgensee musste ein gereiztes Stöhnen unterdrücken. Hatten ihre Clan-Gefährten denn nichts Besseres zu tun? Das Getrappel ihrer Pfoten entfernte sich kontinuierlich. Sonnenjunges hatte ihr Ärger gebracht. Doch das trübte ihre mütterliche Liebe nicht.

„Woher wissen wir, ob das Junges eines von uns ist?“, knurrte ein schwarz-brauner Kater und sah die Anführerin herausfordernd an. Die sandfarbene Kätzin schüttelte den Kopf. „Ist das wichtig?“, warf sie mit ruhiger Stimme zurück. „Und wenn es so sein mag, dass der Vater keinem Clan angehört oder aus einem anderen Clan stammt. Es ist noch immer Morgensees Junges und Morgensee ist eine Katze dieses Clans, ebenso wie ihre Tochter auch. Und ich möchte, dass sie als solches angesehen wird.“

Morgensee döste. Sonnenjunges schlief ab dem cremefarbenen Bauch der Kätzin. Ihre Augen waren noch geschlossen. Morgensee spitzte die Ohren. "Herzlichen Glückwunsch, Braunstreif. Eine wundervolle Kätzin." Braunstreif antwortete nicht. Morgensee konzentrierte sich auf das Gespräch. "Wenn Braunstreif nicht der Vater ist, dann wahrscheinlich ein scheußliches Hauskätzchen", miaute eine weitere Kätzin. Morgensee spannte sich an, sie war selber eines gewesen! "Sag nichts gegen meine Mutter", fauchte Harzblatt. "Dann eben ein Streuner. Morgensee hat wahrscheinlich das Gesetz gebrochen." Ein Miauen lenkte die verstimmte Kätzin ab. Sonnenjunges schaute Morgensee aus großen blauen Augen an. Sanft schnurrte sie, jedoch war sie nicht wirklich glücklich. Dieses Junge hatte ihr Ärger gebracht.

Goldenes Sonnenlicht fiel durch das Blätterdach, in milchigen Tönen färbte sich der Himmel in den Farben des Morgens. Das sanfte Schnurren von Katzen lag der Kätzin in der Ohren, zuckend nahm sie jene Geräusche um sich herum wahr und richtete ihre Augen auf das Fellbündel an ihrem Bauch, als es zu quieken begann. Das Fell der jungen Katze war gelbbräunlich, die Augen waren geschlafen.

Morgensee rollte sich zusammen, hielt ihren Blick auf ihrer Tochter. *Sonnenjunges*, wiederholte die Königin im Halbschlaf den Namen ihres Junges, spürte die Dunkelheit des Schlafes langsam um sich herum. Bis schließlich ein Wispern sie aus dem Zustand heraus riss, die Aufmerksamkeit auf sich zog.

»Was meinst du? Wer ist der Vater von Morgensees Jungem?«, erhob sich die Stimme, die vertraut in den Ohren der Königin klang. Müde und erschöpft ließ sie ihren blauen Blick durch die Kinderstube fahren. Ihre Ohren zuckten, als sie die Worte vernahm, ein Knurren wuchs in ihrer Kehle. »Ich weiß nicht, Braunstreif und sie sind keine Gefährten mehr...«, antwortete eine höhere Stimme, bei der sich Morgensee's Pelz gereizt aufstellte. Sie biss ihre Zähne zusammen, spürte eine scharfe Bemerkung auf ihrer Zunge kratzen, doch zwang sich zum Schweigen. *Einfach nicht reagieren*, mahnte sie sich selbst und ließ ihren Kopf zu Boden senken. Das Quietschen von Sonnenjunges drang in Morgensee's Ohren, die die Königin anlegte. »Du wirkst gereizt«, wehte die Stimme von Wasserglanz der Königin in das Ohr. Morgensee richtete sich sofort an und sah zu ihrer Freundin. »Bloß erschöpft«, zischte Morgensee, als sich Wasserglanz neben sie setzte. Die Königin beugte sich zu der Kriegerin. »Was reden sie so?«, fragte die hellbraune Kätzin bitter und wandte ihren Blick von ihrer Tochter Sonnenjunges ab. Morgensee entließ ein Seufzen aus ihrer Kehle. »Sie glauben, dass du dem Clan untreu warst«, meinte sie mit gedämpfter Stimme. »Sie glauben nicht, dass Braunstreif der Vater ist« Frustration prickelte unter Morgensee's Pelz, das Jaulen von Sonnenjunges drang in ihren Ohren, als das Junges nach der Wärme ihrer Mutter suchte. Seufzend ließ sie das Junges an sich kuscheln, legte jedoch die Ohren an. »Hat Nesselstern etwas darüber gesagt?«, fragte Morgensee ihre Freundin. Wasserglanz schüttelte den Kopf. »Willst du alleine gelassen werden?«, fragte sie mit gedämpfter Stimme und Morgensee nickte mit dem Kopf. Als sich die Kätzin zum Ausgang bewegte, riss sie ein letztes Mal den Kopf herum, ihre Augen richteten sich auf die hellbraune Königin und einen Herzschlag, der ebenso hätte tausende sein können, sah sie diese nur an. »Morgensee, wer ist denn nun der Va..« Morgensee gab ihr nicht einmal die Möglichkeit das Wort auszuprechen, unterbrach sie mit einem gereizten Fauchen. Wasserglanz zuckte zusammen und verließ die Kinderstube.

Ein schwacher Wind trug das Gemurmel und Geflüster der Katzen in die Ferne, bevor sich die Stimmen irgendwo verloren. „Sie sieht keinem Kater ihm Clan ähnlich!“ „Ja, sie kommt eher nach ihrer Mutter...“ „Wer, denkst du, könnte der Vater sein?“ „Sie hat sich doch von allen Katern abgewandt! Wessen Junges könnte es also sein?“ „Vielleicht ist es keiner aus unserem Clan...“ „Ein Kater aus einem anderen Clan? Ist Morgensee dem Clan etwa untreu?“ Viele tratschten und spekulierten über die neuesten Ereignisse im WasserfallClan, die Geburt eines Jungen, dessen Vater nicht bekannt ist. Viele warfen der Königin Untreue vor, andere suchten Ähnlichkeiten zu den Katern im Clan. Fernab von der ganzen Aufregung, von der dunklen Wärme der Kinderstube eingelullt, rollte sich besagte Königin in ihrem Nest nur noch enger zusammen.

Morgensee spitzte die Ohren, als sie leises Gemurmel außerhalb *der großen Hecke* vernahm, welche als Kinderstube diente. Wortfetzen, welche aus 'Vater', 'Morgensee', 'Junges' und 'Braunstreif' bestanden, drangen an ihr Ohr. Aha, dachte sie grimmig. Jetzt war es also schon so weit, dass sie über den möglichen Vater von Sonnenjunges tuschelten. Sie musste ein gereiztes Stöhnen unterdrücken. Hatten ihre Clan-Gefährten denn nichts Besseres zu tun?

»Wir sind ein Clan!«, hörte die hellbraune Königin die Stimme von Nesselstern, der Anführerin. Morgensee richtete sich auf und kroch zum Eingang der Kinderstube, streckte ihren Kopf gerade genug hervor, um die Worte der Anführerin zu hören, zu tief in dem Bau, als dass sie gesehen werden konnte. »Woher wissen wir, ob das Junges eines von uns ist?«, knurrte #Kriegername und sah die Anführerin herausfordernd an. Die sandfarbene Kätzin schüttelte den Kopf. »Ist das wichtig?«, warf sie mit ruhiger Stimme zurück. »Und wenn es so sein mag, dass der Vater aus einem anderen Clan stammt. Es ist noch immer Morgensee's Junges und Morgensee ist eine Katze *dieses* Clanes, ihre Tochter auch. Und ich möchte, dass sie als solches angesehen wird« Der Kater schnaubte leicht auf. »Du kannst uns nicht dazu zwingen«, wandte er ein. Nesselstern nickte bei diesen Worten. »Das mag wahr sein. Ich appelliere an eure Freundlichkeit und Toleranz. Es ist nur ein Gerücht und sollte das Klima das Clans nicht beeinträchtigen«

„Woher wissen wir, ob das Junges eines von uns ist?“, knurrte ein schwarz-brauner Kater und sah die Anführerin herausfordernd an. Nesselstern, die sandfarbene Anführerin des WasserfallClans saß schweigend da, hatte ihm ruhig zu gehört. Ruhig antwortete sie: "Es ist nicht wichtig, wer der Vater ist. Es ist nur wichtig, dass es gesund bleibt, dass niemand sie und Morgensee trennt, denn auch wenn es ein Streuner oder ein Kater aus einem anderen Clan wäre, wäre Sonnenjunges noch immer ein Junges, dass beschützt werden muss, dass eine liebende Mutter hat, die alles für sie tut und einen Clan braucht, dem sie Trauen kann."

Gerade, als sie dabei war, ihren Kopf wieder auf ihre Pfoten zu legen, hielt Morgensee jedoch inne. Die Kätzin spitzte aufmerksam die Ohren und legte den Kopf leicht schief, als sie ihr nur zu vertraute Stimmen außerhalb der Kinderstube vernahm. Es schien um sie selbst und Sonnenjunges zu gehen. (Wie es aussah, tratschte schon der gesamte Clan über Morgensee und Sonnenjunges.) „Braunstreif kann sich glücklich schätzen“, bemerkte eine Stimme, die fast schon etwas eifersüchtig klang.

Morgensee döste mit halbgeschlossenen Lidern in ihrem Nest. Immer noch schien alles friedlich zu sein, abgesehen von einer nervigen Fliege, die störend über ihrem Kopf summte. Schläfrig schlug sie nach ihr. Sonnenjunges schlief an ihren Bauch gekuschelt, sie schnurrte leise im Schlaf. Für einen Moment betrachtete sie ihre jüngste Tochter liebevoll. Süß zuckten die winzigen Pfoten im Traum. Aber als Morgensee ihren Kopf wieder auf den Pfoten legen wollte, vernahm sie außerhalb der Kinderstube vertraute Stimmen. Neugierig spritzte sie die Ohren und erkannte sofort, worum es ging. „Braunstreif kann sich wirklich glücklich schätzen“, bemerkte eine Katze kühl. Eine andere erwiderte nur: „Der Clan auch. Wir haben seit Monden keine Jungen mehr gehabt. Trächtig ist auch keine Kätzin. Wir wussten es ja nicht einmal von Morgensee.“ „Eben. Wir sollten mal wieder ein paar Weiber schwängern.“ Allgemeines Lachen war die Folge. Morgensee seufzte erleichtert auf. Der Clan erfreute sich an Sonnenjunges und das war die Hauptsache. Zufrieden bettete sie ihr Haupt zwischen den Pfoten, doch kaum hatte sie die Augen geschlossen, vernahm Morgensee einen Satz, bei dem sich jedes einzelne Haar ihres Schweifes aufstellte. Eine dritte Stimme, die sich. Bisher höflich zurückgehalten hatte, warf ein: „Denkt ihr wirklich, dass Braunstreif der Vater ist? Die Beiden haben sich doch vor einigen Monden getrennt!“

Der erste Sprecher schnaubte: „Wenn nicht er, wer dann? Bisher hat er nichts Gegenteiliges behauptet. “ „Vielleicht war es ein scheußliches Hauskätzchen, die Kleine ähnelt ihm nicht einmal ansatzweise. Wäre schließlich nicht untypisch, wenn Morgensee untreu gewesen wäre”, knurrte eine andere Katze. Der Unterton war giftig wie ein Natternbiss. Morgensee zuckte zusammen. Die Worte schmerzten ihr mehr als jeder anderen Katze. In einem Anflug von Wut grub sie ihre Krallen in das weiche Nest unter ihr und zerriss die Moosschichten. Sonnenjunges maunzte empört. „Wir sollten nicht über eine Mutter reden”, sagte jemand ruhig. „Wenn eine Königin nicht über den Vater sprechen möchte, so ist das in Ordnung. Wir sollten einfach erstmal abwarten und uns über den willkommenen Nachwuchs freuen.“ Zustimmendes Miauen war die Folge. Nur einer ließ sich nicht überzeugen: „Vielleicht war es auch ein Streuner oder Einzelläufer...“ Die Übrigen schwiegen betreten. Morgensee musste ein gereiztes Stöhnen unterdrücken. Die Luft in der Kinderstube schien ihr plötzlich merkwürdig stickig. Sie sah zu ihrer Tochter. Hilflos und blind krabbelte die Kleine durch das Nest, auf der Suche nach dem weichen Fell seiner Mutter. Vorsichtig zog sie das Junge an ihren Bauch, aber der Kummer verließ Morgensee nicht.

Nur unterbewusst bekam die Königin mit, wie sich das Getrappel der Pfoten ihrer Clangefährten entfernte,denn ihr Kopf war ganz woanders. Sonnenjunges hatte ihr Ärger gebracht. Doch das trübte ihre mütterliche Liebe nicht. Noch nicht.

Und so bekam sie auch nicht mir, was sich außerhalb der Kinderstube anbahnte.denn langsam wie eine Gewitterwolke wuchs der Unmut im Clan. „Woher wissen wir, ob das Junges eines von uns ist?“, knurrte ein schwarz-brauner Kater und sah seine Anführerin herausfordernd an. Die sandfarbene Kätzin schüttelte sanft den Kopf. „Ist das wichtig?“, warf sie mit ruhiger Stimme ein. „Und wenn es so sein mag, dass der Vater keinem Clan angehört oder aus einem anderen Clan stammt. Es ist noch immer Morgensees Junges und Morgensee ist eine Katze dieses Clans, ebenso wie ihre Tochter auch. Ich möchte, dass sie als solches angesehen wird.“ Der Kater schnaubte: „Du verseuchst unser Blut, wenn du Mischlinge duldest!” „Wir wissen nicht, ob Sonnenjunges ein Bastard ist. Und wenn dir so viel am Erhalten unseres Blutes liegt, wieso hast du dann keine Jungen?” Die Augen der Anführerin bannten sich eisern in seine. „Niemand, aber auch wirklich niemand rührt ein Jungs einer unserer Kätzinnen an.“

Nachdem Wasserglanz gegangen war, dachte Morgensee über ihre Worte nach. Der Clan hat Angst, hatte ihre beste Freundin gesagt. Sie wissen, dass es dein Junges ist, doch sie glauben, du hättest betrogen. Es macht ihnen Angst, deshalb reden sie. Du machst ihnen Angst,

Morgensee musste ein gereiztes Stöhnen unterdrücken. Hatten ihre Clan-Gefährten denn nichts Besseres zu tun, als sich das Maul zu zerreißen? Fast schon wütend grub sie die Klauen in ihr Nest, bearbeitete es. Sonnenjunges maunzte hilflos. "Sei still", knurrte sie etwas zu laut und erschrak über ihren eigenen Ton. "Entschuldigung, meine Kleine", schob sie schnell hinterher.

„Vielleicht war es ein scheußliches Hauskätzchen, die Kleine ähnelt ihm nicht einmal ansatzweise. Wäre schließlich nicht untypisch, wenn Morgensee untreu gewesen wäre. Aber Fakt ist eins: Das Junge ist von keinem von uns”, knurrte eine andere Katze düster. Der Unterton war giftig wie ein Natternbiss. Morgensee zuckte enzsetzt zusammen. Die Worte schmerzten ihr mehr als jeder anderen Katze.

Nur unterbewusst bekam die Königin mit, wie sich das Getrappel der Pfoten ihrer Clangefährten entfernte, denn ihr Kopf war ganz woanders. Sonnenjunges hatte ihr Ärger gebracht und sie würde es wieder tun. Doch das trübte ihre mütterliche Liebe nicht. Noch nicht.

Und so bekam sie auch nicht mir, was sich außerhalb der Kinderstube anbahnte. Denn langsam wie eine Gewitterwolke wuchs der Unmut im Clan. Sonnenjunges sei ein Bastard, hieß es. Ein Mischling. Wie eine böse Schlange näherte sich die Angst lautlos den Katzen, bis der Moment kam, wo sie ihre Fänge ins warme Fleisch grub.

Die Augen der Anführerin brannten sich eisern in seine. „Niemand, aber auch wirklich niemand rührt ein Jungs unserer Kätzinnen an.“

Morgensee döste mit halbgeschlossenen Lidern. Immer noch schien alles friedlich zu sein. Sonnenjunges schlief an ihren Bauch gekuschelt, sie schnurrte leise. Für einen Moment betrachtete sie ihre jüngste Tochter liebevoll. Aber als sie ihren Kopf wieder auf den Pfoten legen wollte, vernahm sie außerhalb der Kinderstube vertraute Stimmen. "Der Clan kann sich glücklich schätzen“, bemerkte eine Stimme. Eine andere erwiderte nur: Natürlich. Wir haben seit Monden keine Jungen mehr gehabt. Trächtig ist auch keine Kätzin. Wir wussten es ja nicht einmal von Morgensee. Sonnenjunges war eine Überrschung.“ „Eben. Wir sollten mal wieder ein paar Weiber schwängern.“ Allgemeines Lachen war die Folge. Morgensee seufzte erleichtert auf. Der Clan war glücklich und das war die Hauptsache. Sie wollte sich schon wieder zur Ruhe betten, da warf eine dritte Stimme ein: "Ich habe das Gefühl, mit dem Jungen stimmt etwas nicht. Was weiß ich nicht, aber Morgensee verheimlicht uns etwas. Wer ist nur der Vater?" „Vielleicht war es ein scheußliches Hauskätzchen. Wäre schließlich nicht untypisch.“, knurrte eine andere Katze. Morgensee zuckte zusammen. Die Worte schmerzten ihr mehr als jeder anderen Katze. Schließlich war sie selber früher ein Hauskätzchen gewesen. In einem Anflug von Wut grub sie ihre Krallen in das weiche Nest unter ihr, riss daran und ihr Fell sträubte sich. „Wir sollten nicht über eine Mutter reden. Wenn eine Königin nicht über den Vater sprechen möchte, so ist das in Ordnung. Wir sollten einfach erstmal abwarten und uns über den willkommenen Nachwuchs freuen.“ Zustimmendes Miauen war die Folge, doch eder eine meinte: „Vielleicht war es auch ein Streuner oder Einzelläufer...“ Die Übrigen schwiegen betreten. Morgensee musste ein gereiztes Stöhnen unterdrücken. Hatten ihre Clan-Gefährten denn nichts Besseres zu tun? Das Getrappel ihrer Pfoten entfernte sich kontinuierlich. Sonnenjunges hatte ihr Ärger gebracht. Doch das trübte ihre mütterliche Liebe nicht.

„Woher wissen wir, ob das Junges eines von uns ist?“, knurrte ein schwarz-brauner Kater und sah die Anführerin herausfordernd an. Die sandfarbene Kätzin schüttelte den Kopf. „Ist das wichtig?“, warf sie mit ruhiger Stimme zurück. „Und wenn es so sein mag, dass der Vater keinem Clan angehört oder aus einem anderen Clan stammt: Es ist noch immer Morgensees Junges und Morgensee ist eine Katze dieses Clans, ebenso wie ihre Tochter auch. Und ich möchte, dass sie als solches angesehen wird. Das ist ein Befehl.“

Morgensee rollte sich zusammen, hielt ihren Blick auf ihrer Tochter. Sonnenjunges, wiederholte die Königin im Halbschlaf den Namen ihres Junges, spürte die Dunkelheit des Schlafes langsam um sich herum. Bis schließlich ein Wispern sie aus dem Zustand heraus riss, die Aufmerksamkeit auf sich zog.



Bald darauf tauchte auch schon der nächste Besucher in der Kinderstube auf. Fast schon etwas genervt hob Morgensee angesichts ihrer gestörten Ruhe den Kopf, doch beim Anblick der rotbraunen Kätzin, die neugierig ihren Kopf in den Eingang steckte, peitschte mit dem Schweif. "Wasserglanz", miaute sie erfreut. "Ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr." Die Fremde blickte mit runden, blauen Augen zu Morgensee und ihrer Tochter: "Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich meine beste Freundin nicht zu ihrer Jüngsten beglückwünschen würde?" Morgensee lächelte leicht: "Ich danke dir... Die Kleine ist ein echter Wildfang. Sie hat Giftblick geärgert." Wasserglanz schnurrt amüsiert. Neugierig beugte sich die Kriegerin nach vorne und warf dann einen langen Blick auf die helle Kätzin an Morgensees Bauch, die bereits wieder eingeschlafen war. "Wie ist der Name der Kleinen?", fragte sie freundlich. "Sonnenjunges", erklärte die Mutter. "Wie passend, ihr Fell ist golden wie die Sonne", miaute die rotbraune Kriegerin zustimmend. "Und wer ist ihr Vater?" Morgensee schloss die Augen. Die Worte brannten in ihren Ohren: "Niemand. Wechseln wir lieber das Thema." Für einen Augenblick wirkte Wasserglanz verwirrt. In ihren blauen Augen lag für eine Sekunde Misstrauen, das Gesicht war missbilligend, doch kaum einen Moment später entspannte sich die Kätzin wieder. "Du bist bestimmt müde. Vielleicht sollte ich später noch einmal wiederkommen, dann bringe ich dir einen leckeren Fisch mit. Die sind im Moment so zahlreich, dass sie unseren Jägern sprichwörtlich ins Maul springen!", mit diesen Worten verließ Wasserglanz eilig die Kinderstube.

Wolfslieds VerratBearbeiten

Wolfslieds Verrat (Englisch: Wolfsong's Betrayal) ist das zweite Buch von Projekt Sunslash.

Kapitel 1Bearbeiten

Nahezu unbewegt lag der Moosball in der Mitte des Lagers. Sie konnte spüren, wie ihre zwei Geschwister sich ihm neugierig näherten. Ihre winzigen, tapsigen Schritte verursachten Vibrationen im Untergrund. Aber dieses Mal hatte sie gute Chancen auf einen Gewinn, dass wusste sie genau. Vorsichtig setzte sie eine Pfote vor die andere, richtete ihre Aufmerksamkeit einzig und allein auf ihr Ziel. Fasanjunges links von ihr peitschte energisch mit dem Schwanz, in ihren grünblauen Augen funkelte der Ehrgeiz. Bloß nicht gegen die älteren Geschwister verlieren, schien sie damit ausdrücken zu wollen. Eschenjunges zu ihrer rechten hingegen schien sich seines Sieges sicher zu sein. Er war der Älteste der drei Wurfgeschwister und wirkte verglichen mit seinen Schwestern wie ein Bär gegenüber zweier Mäuse. Wenn es nach Körperkraft ging, würde er sie mühelos schlagen, aber das war ein Spiel der Taktik. Wolfsjunges fixierte das Spielzeug. Es lag etwa drei Kaninchenlängen von ihr entfernt. Eng zwischen ihrer jungen Schwester und ihrem älteren Bruder gepresst hatte sie von der Position her gesehen großes Glück. Wenn jetzt alles nach Plan lief...

Es musste nur einer einen Fehler machen, dann würde sie gewinnen. Eschenjunges verlagerte seinen Körperschwerpunkt nach unten. Sie imitierte seine Haltung schnell, nur um zu spüren, dass Fasanjunges ebenfalls in Angriffsstellung ging. Dann sprang der Kater los. Wolfsjunges hatte keine Chance zu reagieren, bevor auch Fasanjunges auf den unschuldigen Moosball losging. Die beiden Geschwister stießen prompt mit den Köpfen aneinander. „Aua!“, jaulte die kleine Kätzin auf, Eschenjunges schüttelte energisch sein Haupt. „Das ist mein Moosball!“, verkündete er mit lauter Stimme. Um seine Stellung zu unterstreichen, stellte er seine Pfote darauf. Fasanjunges schnitt eine Grimasse: „Gar nicht wahr! Ich war viel schneller als du!“ „Mäusedreck!“ „Gar nicht! Wolfsjunges hat es gesehen!“ Zwei Köpfe fuhren ruckartig herum. Es war schwer zu sagen, wer der beiden siegessicherer wirkte. „Wer war schneller, Wolfsjunges?“, fragte Eschenjunges. In seinen glühenden Augen funkelte der Triumph. „Ja, wer?“, die jüngere Fasanjunges versuchte es auf die unschuldige Art und machte einen flehentlichen Gesichtsausdruck. Wolfsjunges selber war im Zwiespalt.

Für wen nur Partei ergreifen? „Für mich…“, sagte sie schließlich nach einem Moment Bedenkzeit. „Sah es eigentlich aus, als wärt ihr zeitgleich angekommen. Da gibt es keinen Gewinner und Unentschieden zählt nicht.“ „Aber ich war trotzdem schneller“, beharrte Fasanjunges. Ihr eigentlich helles, fast gelbliches Fell war dunkel vor Staub. Für Wolfsjunges war es immer wunderlich gewesen, wie es möglich war, dass ihr Bruder und sie so dunkles Fell hatten verglichen mit der jüngeren Schwester. Eschenjunges stöhnte auf: „Nicht schon wieder. Wenn einer gewonnen hat, dann bin ich das. Ihr Kätzinnen seid alle leicht zu besiegen. Ist echt blöd, dass wir die einzigen Jungen sind. Ich will endlich mal gegen einen Kater kämpfen, mit euch macht das echt keinen Spaß.“ Fasanjunges‘ Augen füllten sich mit Tränen: „D-du bist gemein! Mit dir spiele ich nicht mehr!“ Schnell versteckte sie sich hinter ihrer älteren Schwester. Liebevoll leckte Wolfsjunges der wimmernden Kätzin dem Kopf, als diese sich eng an sie schmiegte. „Eschenjunges macht doch nur Spaß“, miaute sie, im Versuch die Jüngere zu trösten. „Er will eben nicht zugeben, dass die, die am lautesten schreien, die größten Mäusehirne von allen sind.“ Entrüstet stieß der Kater ein lautes Schnaufen aus. Seine Schwestern schnurrten amüsiert. „War nicht so gemeint. Wir haben dich doch beide gern, weißt du doch“, erklärte Wolfsjunges sanft und stieß ihn spielerisch mit der rechten Vorderpfote an. „Wie wäre es mit einem neuen Versuch?“ „Gegen ihn kämpfe ich trotzdem nicht mehr, bis er endlich zugibt, dass ich gewonnen habe,“ Fasanjunges versuchte trotzig zu klingen, aber das misslang gründlich, weil sie damit beschäftigt war, mit dem Schweif ihrer älteren Schwester zu spielen. Wolfsjunges entzog ihn ihr vorsichtig: „Mach das bei Eschenjunges. Er mag das.“ Dabei zwinkerte sie mit einem Auge.

Dieser Aufforderung kam die Kleine gern nach. Bevor ihr Bruder auch nur ‚Miau‘ sagen konnte, hatte sich Fasanjunges schon auf seinen Schweif gestürzt und herzhaft zugebissen. Vor Überraschung gab er ein fiependes Geräusch von sich, was eher zu einer Maus passte, als zu einer Katze. Trotz ernsthafter Bemühungen sie von sich zu stoßen, erwies sie sich als hartnäckiger Gegner, dessen er sich schließlich dadurch entledigte, dass er ihr energisch mit einem Hinterbein gegen den Brustkorb trat. Fasanjunges gab einen Laut von sich, der andeuten ließ, dass ihr die Luft aus der Lunge gepresst wurde. Tollpatschig überschlug sie sich ein paar Mal, bis sie schließlich auf dem Bauch liegen blieb. Ein paar dunkelbraune Fellfetzen ragten aus ihrem Maul heraus. Eschenjunges betrachtete knurrig seine Rute. „Tolle Idee, Wolfsjunges.“ Aber selbst wenn er wütend klingen wollte, kam er eher amüsiert herüber. Sie lächelte leicht, als ein großer Schatten auf die Kleinen herabfiel. „Na meine Kleinen“, erklang die ruhige, aber tiefe Stimme einer Kätzin. „Mutter!“, rief Fasanjunges aus. Die Königin, ihr Name war Düsterlicht, beugte sich zu den Jungen herab und begrüßte ihre Jüngste mit einem sanften Stupsen gegen die winzige Nase. Ihre anderen zwei Nachkommen rieben sanft die Köpfe an ihrer Wange. „Habt ihr schön gespielt, während ich weg war?“ Eschenjunges nickte begeistert. „Ich habe gegen Fasanjunges und Wolfsjunges gewonnen“, brüstete er sich mit stolzgeschwellter Brust. „Gar nicht wahr. Ich habe gewonnen!“, schmollte Fasanjunges, aber klang ebenfalls zufrieden, als sie verkündete: „Aber ich habe mit ihm gerangelt und gewonnen!“ „Sieht aus, als hättet ihr Spaß gehabt. Also seid ihr brav gewesen? Ich möchte keinen Beschwerden der anderen Clanmitglieder über euch hören, weil ihr schon wieder verbotenerweise den Höhlenkessel beim Spielen verlassen habt, obwohl ihr genau wisst, dass es als Junges sehr gefährlich dort draußen sein kann“, bemerkte Düsterlicht.

Einstimmiges Nicken. Die Königin wirkte zufrieden: „Freut mich zu hören. Ihr seid immerhin fast vier Monde alt. Bald werdet ihr Schüler werden und dann schon Krieger…“ In ihrer Stimme klang etwas Wehmütiges mit: „Ihr müsst wissen, ich werde immer stolz auf euch sein, aber ihr wisst auch, dass ihr eurem Clan etwas leisten müsst. Genau wie euer Vater und ich werdet ihr dienen. Und dann werden eure Jungen dem Clan dienen. Es ist ein nie endender Zyklus, dem keiner entkommen kann. Versteht ihr?“ „Also ich will keine Jungen haben. Trächtig sein ist bestimmt furchtbar!“, maunzte Fasanjunges. Düsterlicht schnurrte: „Angenehm war es, weiß der SternenClan, nicht, aber sonst gäbe es euch nicht. Wenn du einmal älter bist, denkst du anders darüber. In eurem Alter wollte ich auch keine und nun…habe ich drei wunderbare Junge, die ich alle drei sehr liebe.“ Eschenjunges zuckte mit den Ohren: „Was mich viel mehr interessiert: Wie entstehen Junge überhaupt? Doch nicht einfach so oder?“ „Also du wirst keine austragen können“, schnurrte Wolfsjunges. Die Königin hingegen biss sich auf die Zunge: „Also... das... Dafür seid ihr dann doch noch etwas jung. Das werden eure Mentoren euch später beibringen.“ „Immer muss man warten, bis man Schüler wird…“, er klang enttäuscht.

Seine Mutter ignorierte den Einwand gekonnt. „Möchtet ihr ein Geheimnis erfahren?“ „Aber wenn es ein Geheimnis ist, darfst du es doch niemanden erzählen, Mutter!“, entrüstete sich Wolfsjunges und starrte Düsterlicht an. Die Königin lächelte: „Weißt du, meine Kleine… Regeln bricht man nicht, aber Geheimnisse darf man weitererzählen, wenn man weiß, dass sie in vertrauensvolle Pfoten gelegt werden.“ Fasanjunges zuckte mit den Ohren: „Aber was für Regeln darf man nicht brechen. Sowas wie dass man beim Fressen nicht schmatzt?“ „Fuchsdung“, schnaubte Eschenjunges. „Ich verbitte mir solche Aussprache, mein Sohn!“ Düsterlicht sah ihren Sohn durchdringend an. Unter ihrem eisernen Blick legte er schnell die Ohren an, doch sein Fell sträubte sich trotzdem. Die Mutter wandte sich wieder an ihre Jüngste: „Genau. So eine Regel bricht man nicht, aber was ich eigentlich meinte… Das Gesetz der Krieger. Das bricht man erst recht nicht. Es ist Teil unserer Vergangenheit, der Gegenwart und es wird ein Teil der Zukunft sein. Wisst ihr ein Gesetz auswendig?“

Wolfsjunges überlegte einen Moment: „Heiler dürfen keine Jungen haben?“ „Das ist kein eigentliches Gesetz, das ist eine Tradition des Clans. Die man übrigens auch nicht bricht. Genauso wie es eine Tradition ist, dass Kater keine Kater und Kätzinnen keine Kätzinnen lieben.“ Fasanjunges zog die Nase kraus: „Liebe! Bäh!“ „Lass das, Kleines. Davon kriegt man nur Falten.“ „Aber was sind das jetzt für Regeln, die man nicht brechen darf?“, bohrte Wolfslied neugierig nach. Düsterlicht schien erfreut über das Interesse ihrer Tochter an ihren Worten: „Ganz besonders wichtig ist das erste Gesetz: Der eigene Clan ist einem wichtiger als alles andere. Man darf sich mit Katzen aus anderen Clans anfreunden, aber die Loyalität gilt stets dem eigenen Clan. Hier bei uns im EchoClan wird das besonders geschätzt. Keiner der anderen Clans hat so wunderbar reines Blut wie wir. Im HurrikanClan ist es schon fast alltäglich, dass Hauskätzchen die Blutlinie verdünnen. Mein Vater würde sogar sagen: ‚Beschmutzen‘.“ Ihre Stimme wurde so energisch und scharf, dass es Wolfsjunges kalt den Rücken herunter lief. „Ich erinnere euch nochmal daran: Unsere Linie ist alt, sehr alt. Und rein, sehr rein. Wir dienen dem EchoClan, wir gebären reine Junge und niemals, aber auch niemals verraten wir unseren Clan.“

Alle drei schluckten schwer angesichts derart mächtiger Worte, aber sie nickten vorsichtig. Die Kätzin entspannte sich sichtlich: „Ach, ihr seid so gute Jungen. Sehr brav. Ich hoffe doch, wenn ihr älter seid, werdet ihr immer noch so denken, wie ihr es jetzt tut.“ „Aber natürlich Mutter“, murmelten alle drei im Chor. Den Worten Düsterlichts widersetzte man sich nicht. Nicht einmal ihr Gefährte, der auch gleichzeitig der Vater des Wurfes war, tat das und Sturmnarbe gehörte zu den wohl am meisten respektierten Katzen des EchoClans.

„Kommt rein“, miaute Düsterlicht, während sie mit zuckender Schwanzspitze auf einen Seitengang der Höhle wies, der in die Kinderstube herabführte. „Ich erzähle euch eine Geschichte.“ Fröhlich hüpfte Fasanjunges herum: „Eine Geschichte! Aber nicht wieder so eine über Krieg wie die, die Großvater uns erzählt hat. Das war unheimlich!“ Die Königin legte die Ohren an. Ihre mangelnde Begeisterung darüber, dass ihre Kleinen so früh mit den Grausamkeiten des Katzenlebens in Berührung gekommen waren, war ihr deutlich anzusehen: „Nein, die hier wird sich nicht um einen Kampf drehen. Im Gegenteil.“ „Wie langweilig. Aber es muss auch etwas Spannung drin vorkommen“, gab Eschenjunges von sich.

Wolfsjunges sagte nichts dazu. Statt wie ihre Geschwister um ihre gemeinsame Mutter herumzuspringen, um Aufmerksamkeit zu betteln, dachte sie über die Worte nach, die sie gehört hatte. Immer noch hallte es in ihrem Kopf wieder ‚niemals, aber auch niemals verraten wir unseren Clan‘. Selbst der Nachhall klang mächtig, fast drohend. Zu gern hätte sie gefragt, was es bedeutet, einen Clan zu verraten, doch sie konnte es sich bereits vorstellen. „Ich werde dem EchoClan immer treu bleiben“, sagte sie mehr zu sich selbst. „Genau wie Vater, Mutter und meine Großeltern.“ „Hm? Hast du etwas gesagt, Wolfsjunges?“ Düsterlicht sah ihre Tochter aus dunklen, braungrünen Augen direkt an. In der Tiefe dieser Pupillen konnte sie sich selber sehen. Ein winzig kleines Wolfsjunges sah ihr daraus entgegen. So unendlich fern, als wäre es dort auf ewig gefangen. Sie schüttelte den Kopf: „Nein Mutter, alles bestens. Ich… habe mich nur gefragt, welche Geschichte du uns erzählen möchtest.“ Die Königin wirkte beruhigt: „Ach, das wird ein Geheimnis bleiben, bis du sie gehört hast. Nun komm aber, es wird bald dunkel. Zeit schlafen zu gehen.“ Gehorsam stolperte Wolfsjunges hinter ihrer Mutter her. Ihre Geschwister hatten sich bereits in das Nest gekuschelt, was bequem eingebettet zwischen zwei spitzen Felsen auch gut vor fremden Blicken verborgen war.

Etwas ungelenk, mehrmals vom Rand abrutschend schaffte sie es ebenfalls dort hinein, wo sie sich zwischen Eschenjunges Rücken und Fasanjunges Kopf gemütlich machte. Düsterlicht legte sich vorsichtig dazu, umhüllte ihren Wurf wärmend mit ihrem Körper. Wolfsjunges schnurrte leise und schloss die Augen. Dann begann ihre Mutter zu erzählen. Wie immer wenn sie sprach, malte ihre Stimme farbenfrohe Bilder von einer fernen Vergangenheit des EchoClans. Plötzlich waren sie keine Jungen mehr sondern erwachsene Krieger, die für die Würde anderer eintraten. Sie wünschte sich, diese Momente würden nie zu Ende gehen, doch dann verklang die Stimme der Königin irgendwann wieder. Den letzten Satz hauchte sie leise. „Aber nun schlaft schön, meine Kleinen. Morgen könnt ihr wieder spielen. Gute Nacht.“ „Nacht Mutter“, flüsterte es in dreifacher Ausführung zurück. Eschenjunges schlief wie immer als erster ein. Sein Talent dazu, egal wo und wie er lag sofort ins Land der Träume zu finden, war faszinierend. Wolfsjunges war nie so gewesen. Bei ihr dauerte es immer lang, bis sie endlich Ruhe fand.

Auch Fasanjunges lag noch wach, doch mit jeder Sekunde wurde deren Blick trüber und ihr Atem gleichmäßiger. „Ich werde immer für euch da sein“, murmelte Wolfsjunges leise. „Für euch alle.“

Kapitel 2Bearbeiten

Einige Tage später, es dürften sogar mehrere Monde vergangen sein, verschlief Wolfsjunges. In ihren Träumen bekämpfte sie Seite an Seite mit ihrem Mentor – einem hochgewachsenen, schwarzen Kater mit hellem Kehlfleck und dunklen Augen – einen ganzen Clan, der in das Territorium des EchoClans eingefallen war. Als einer der feindlichen Krieger, dessen gelbliche Augen boshaft funkelten, sich auf sie stürzen wollte, rollte sie sich mit kräftigen Schwung zur Seite, doch der Fremde schaffte es trotzdem, ihr einen schmerzhaften Stoß in die Magengrube zu versetzen. Entsetzt quietschte sie auf und erwachte augenblicklich aus ihrem Schlummer. Einen Moment lang vollkommen orientierungslos schaute sich Wolfsjunges verwirrt um. Kein Blut, kein Kampf, gar nichts. Nur die Kinderstube, die wie immer nach Milch und Liebe roch. Der Gegner hatte sich als ihr Bruder entpuppt, welcher sie angestoßen hatte, um sie endlich zu wecken. „Steh schon auf, du Faulpelz. Der Winterschlaf ist vorüber“, miaute er vorwurfsvoll. Wolfsjunges gähnte ausgiebig und streckte träge ihre Beine, wobei sie genussvoll die winzigen Krallen ausfuhr. „Mhhhh... Ich komme schon“, seufzte sie noch im Halbschlaf. „Wo sind Mutter und Fasanjunges?“ „Mutter ist zur Jagd aufgebrochen, Fasanjunges ist draußen mit Vater.“

Endlich gelang es ihr, sich schwerfällig aus dem Nest zu hieven, doch plumpste sie prompt ungelenk auf der anderen Seite herunter und kullerte über den Boden. Hustend schüttelte Wolfsjunges sich den Dreck aus dem Pelz, ehe sie immer noch etwas schlaftrunken ihrem Bruder nach draußen folgte. Helles Licht erhellte bereits jetzt in den frühen Morgenstunden den Höhlenkessel. Um diese Zeit stand die Sonne stets so, dass ihre Strahlen das komplette Lager in ihren Schein tauchte. Das Spiel aus Licht und Schatten hatte Wolfsjunges schon immer gefallen, denn dort, wo das gleißende Glühen finstere Schemen hinterließ, lauerte geheimnisvoll die Dunkelheit. Da konnte in der Fantasie aus einem Spalt in der Felswand schnell das klaffende Maul eines Monsters werden, was kleine Jungen fraß. Sie erschauerte und blickte sich hektisch nach ihrer Schwester um. Es dauerte nicht lange, bis sie sie gefunden hatte. Die Kätzin tollte spielerisch um einen großen, grauen Kater herum, der das Ganze gutmütig tolerierte und die Kleine damit ärgerte, dass er sie sich erst auf seine Pfote stürzen ließ, ehe er sie mühelos mit einer fließenden Bewegung wieder von sich wegschob. „Vater!“, rief auch Wolfsjunges glücklich aus und rannte begeistert auf ihn zu, wobei sie mehrmals auf dem glatten Untergrund ausrutschte und hinfiel.

Schlussendlich überholte Eschenjunges sie ohne große Mühen. Sturmnarbe schnurrte beim Anblick seiner herumtollenden Jungen. In seinen blaugrauen Augen lag große Wärme, seine bereits jetzt versilberte Schnauze ließ ihn weise wirken. „Wolfsjunges, Eschenjunges“, maunzte er rau. „Ihr seid aber früh auf den Beinen.“ Eschenjunges nickte energisch: „Die frühe Katze fängt die Maus!“ Aus seiner Stimme sprach große Bewunderung für seinen Vater. Fasanjunges nickte zustimmend: „Nicht nur die Maus sondern auch den Vogel oder die Echse! Wir werden sie alle fangen!“ Sturmnarbe neigte sich zu seinen Nachkommen herab. Die tiefe, namensgebende Narbe auf seiner Stirn war fast so lang wie der Schweif eines der Jungen. „Ich bin mir sicher, dass ihr sie alle erlegen werdet, wenn ihr endlich Schüler seid.“ Wolfsjunges schob trotzig die Unterlippe vor: „Aber das dauert ja noch ewig, so fühlt es sich an! Wenn es nach Ahornstern geht, werden wir nie Schüler! Ich möchte jetzt schon Schülerin sein.“ „Ich will lieber gleich den Clan anführen! Ich, Eschenstern!“, gab Eschenjunges zurück. „Du wirst niemals auch nur zweiter Anführer werden, du hast ja schon Angst, wenn nachts der Wind durch die Höhle heult!“, kreischte Fasanjunges schrill. „Habe ich gar nicht!“ „Hast du wohl, hast du wohl!“ „Benehmt euch. Ich habe eine Überraschung für euch, wenn ihr jetzt brav seid“, Sturmnarbes Stimme klang ruhig, aber unverhohlen streng. Augenblicklich beendeten Eschenjunges und Fasanjunges ihren Zopf und setzten sich gehorsam auf den Höhlenboden, doch ihre winzigen Schwänze peitschten weiter fröhlich herum. „Ich muss gleich zur Grenzpatrouille, also werden eure Großeltern sich um euch kümmern. Die habt ihr ja schon länger nicht mehr gesehen“, verkündete Sturmnarbe. Sein Wurf nickte begeistert. „Wird Gischtkralle wieder so tolle Geschichten erzählen?“, fragte Fasanjunges neugierig. „Bestimmt wird er das, wenn ihr ganz lieb fragt und vergesst nicht, allen Beute mitzubringen. Das macht man aus Respekt vor ihnen.“ Erneutes Nicken. Damit zeigte der Kater seine Nachkommenschaft durch eine Bewegung seiner Ohren das Ende des Gesprächs, die sich prompt Richtung Frischbeutehaufen aufmachte. Die Koordination der Gruppe ließ allerdings zu wünschen übrig, denn die Wurfgeschwister kullerten auf dem Weg durcheinander wie als wären sie bunte Schneebälle. Es endete mit einem riesigen Knäul aus Fell, was sich fauchend, gar verärgert knurrend voneinander löste. Nachdem Wolfsjunges sich endlich aus dem Gewirr von Pfoten und Zähnen gerettet hatte, rannte sie so schnell es ging zum Frischbeutehaufen, obwohl der Begriff ‚Haufen‘ eine Übertreibung war. Es war immer noch mitten in der Blattleere, daran änderten auch die wärmenden Sonnenstrahlen nichts. Draußen außerhalb des Lagers lag der Schnee so hoch, dass die Krieger bis zum Bauchfell einsanken.

„Erste!“, quiekte Wolfsjunges hell auf. Ihre Stimme hallte von den Wänden wieder. Eschenjunges verzog das Gesicht, als wäre er verärgert: „Mäusedung. Du hattest einen Vorsprung, das war unfair.“ „Hatte sie gar nicht“, mischte sich Fasanjunges ein. „Ich habe es genau gesehen! Rede keinen Unsinn, du bist einfach nur ein schlechter Verlierer!“ Er stellte sein flauschiges Nackenfell auf, was ihn aber nur süß, nicht bedrohlich wirken ließ: „Von jemanden wie dir lasse ich mir gar nichts sagen, du... Fette Kröte!“ Fasanjunges sah an sich herunter. Ihr Bäuchlein wölbte sich tatsächlich ordentlich nach vorne. Wolfsjunges ahnte bereits, was nun kommen würde, als sie das Schniefen ihrer Schwester hörte. Energisch machte sie einen Schritt zwischen die Beiden. „Eschenjunges, hör auf!“, miaute sie. „Sie hat dir nichts getan!“ „Geh zur Seite, das geht dich nichts an!“, knurrte der Kater, wobei er seinen recht muskulösen Körper spielen ließ. Er wirkte riesig verglichen mit seinen Schwestern. In seinen braungrünen Augen lag unverhohlene Kampfeslust.

Wolfsjunges grub die winzigen Klauen in den Untergrund: „Eschenjunges... Bitte. Wir wollen nicht streiten.“ Er schnaubte: „Die...“ Seine Schwanzspitze deutete abwertend auf Fasanjunges. „Hat mich beleidigt!“ „'Die', das ist deine Schwester“, erinnerte sie ihn sanft. Er sah sie an und der harte Ausdruck in seinen Zügen verschwand. „Hmpf, na gut, weil du es bist“, grummelte er, stapfte grimmig zu seiner jüngeren Schwester und leckte der wimmernden Fasanjunges einmal kurz über die Nase. Die zuckte zusammen, aber akzeptierte das Friedensangebot. Nachdenklich auf ihrer Unterlippe nagend betrachtete Wolfsjunges das Geschehen. Sie wirkte so sorgenvoll, denn für das, was sich hier abgespielte, hatte sie weder ein Wort noch eine Beschreibung. Wäre sie älter gewesen, dann hätte sie gewusst, dass man das Verhalten ‚Rivalität‘ nannte, doch so erschien es ihr befremdlich, wie sich ihre Geschwister zueinander verhielten. Traurig senkte sie den Kopf. „Uhm... Wolfsjunges?“, Fasanjunges sah ihr sorgenvoll ins Gesicht. „Geht es dir nicht gut? Du wirkst so schlapp.“ Die Ältere zwang sich zu einem aufgesetzten Lächeln: „Es ist doch alles Bestens. Ich habe nur überlegt, was wir unseren Großeltern Leckeres mitbringen können.“ Ihre kleine Schwester nickte erleichtert: „Ach, dann ist ja gut. Ich hatte schon Angst, dass du so kurz vor unserer Schülerzeremonie krank wirst.“ Wolfsjunges stieß sie sanft an, so dass Fasanjunges durch den Staub rollte: „Mäusehirn. Natürlich werde ich vor sowas nicht krank.“

Sie winkte Eschenjunges zu: „Wollen wir noch Beute mitbringen oder nicht?“ Er trottete desinteressiert herüber. „Von mir aus“, gab er gelangweilt von sich und gähnte. Gemeinsam blickten sie den Frischbeutehaufen hinauf. Er wirkte winzig. Die appetitlichsten Stücke waren die Reste einer Bergziege, die die Krieger gemeinschaftlich erlegt und später zerlegt hatten und zwei, drei Spitzmäuse. Alle Stücke waren von einer dicken Schicht Schnee bedeckt. Wolfsjunges war stolz darauf, dass sie wusste wieso, da es die Beute länger frisch hielt. Schließlich riss sie energisch zwei Spitzmäuse aus dem Haufen, Fasanjunges nahm die zweite, Eschenjunges trug die dritte hinterher. Erst dann trabten die Jungen gemeinschaftlich zur Höhle der Ältesten. Der Geruch des Fangs ließ Wolfsjunges das Wasser im Maul zusammenlaufen. Frisches Fleisch schmeckte so viel besser als die Milch, mit der Düsterlicht sie früher immer gefüttert hatte, doch sie bemühte sich ihren Speichel herunterzuschlucken. Diesen Brocken würde sie ihren Großeltern bringen. Niemand anderen.

Schon von weitem konnte sie mit dem Eingang die Umrisse Gischtkralles erblicken, der träge auf der Seite döste. Er sah seinem Sohn Sturmnarbe so ähnlich. Beim Anblick seiner Jungen lächelte er leicht. „Schön, dass ihr hier seid“, rasselte er. Brav legte Wolfslied ihre Spitzmaus vor ihm, wofür er ihr als Dank liebevoll den mächtigen Kopf gegen die Wange presste. Sie war schon immer sein Liebling gewesen, vermutlich deshalb, weil sie seiner Gefährtin Rußwolke so ähnelte. Auch Fasanjunges hatte ihre Beute inzwischen abgegeben, sie ging an Hasenlauf, Düsterlichts Mutter. Eschenjunges versorgte soeben Nordglanz, Hasenlichts Gefährten. Auch sie dankten ihren Enkeln sanft, doch Hasenlauf seufzte: „Wie können eure Eltern euch nur bei dem Wetter wieder alleine lassen? Ihr holt euch nur den Tod, wenn ihr zu lange draußen bleibt. Vor allem jetzt in der Blattleere, so kurz vor eurer Schülerzeremonie.“ Nordglanz verdrehte die strahlend blauen Augen: „Närrin. Die Blattleere neigt sich dem Ende zu und die Kälte stärkt die Jungen. Die Jungen, die in der kältesten Zeit geboren werden, sind immer die Kräftigsten.“ „Ich finde trotzdem, dass es unverschämt ist, sie einfach so sitzen zu lassen“, gab sie von sich.

Gischtkralle lachte heiser: „Aber dafür sind wir doch da, um uns um sie zu...“ Er verzog das Gesicht. „Zu... zu... Mir ist d... das Wort entfallen.“ „Du meinst kümmern, Großvater“, schnurrte Wolfsjunges. „Stimmt genau Rußwo-... Wolfspfot-...junges.“ Er schüttelte sich. „Wenn die Krankheit noch schlimmer wird, erkenne ich mich selbst nicht mehr!“ Die anderen schwiegen betreten. Es war noch nicht lange her, dass man Gischtkralle eine unheilbare Krankheit seines Hirnes diagnostiziert hatte, die sich unaufhaltsam verschlimmern sollte. „Dennoch...“, das kam jetzt von Nordglanz. „Ich bin stolz darauf, dass die Kleinen bald Schüler werden und dem Clan dienen können. Sieh an, was aus den anderen Clans geworden ist. Mischlinge! Bastarde! Schwächlinge! Keinen Tropfen reines Blut mehr und ihre Anführer sind die Schmutzigsten von allen. Wer kämpft heute noch für die Tradition, wenn es nicht wir tun, wir, der EchoClan?!“ „Nordglanz“, mahnte Hasenlauf kühl. „Nicht hier vor den Jungen.“ „Aber es ist doch wahr“, redete der alte Kater weiter. „In alten Zeiten durfte man nicht mal eine Katze angucken, die nicht an den SternenClan glaubte! Und heute? Heute interessieren diese Überzeugungen keinen mehr!“ Wolfsjunges schwieg. Es fiel ihr schwer, sich vorzustellen, dass es mal eine Strafe war, nicht an den SternenClan zu glauben. Natürlich gehörte der Glaube dazu, aber es durfte doch jeder an das glauben, was er wollte... oder?

Nordglanz fing an zu husten. Seine Gefährtin schüttelte den Kopf: „Das hast du nun davon, dass du dich immer so aufregen musst.“ „Alte Besserwisserin“, knurrte Nordglanz leise. „Bitte?“, sie klang aufrichtig verwirrt, denn Hasenlauf war schwerhörig und nun neigte sie das nicht taube Ohr zur Seite, um die Worte besser verstehen zu können: „Sprich etwas lauter.“ „Ich sagte, alte Besserwisserin.“ „Ich verstehe dich immer noch nicht.“ „Wo ist überhaupt Rußwolke?“, unterbrach Gischtkralle das Gespräch plötzlich. Es war nicht unüblich für ihn, dass ihm Sachen plötzlich entfielen. „Sie ist zusammen mit Sturmnarbe auf Patrouille. In ihrem Alter sollte man aber wirklich vorsichtig mit sowas sein, es kann wer weiß was passieren...“ Gischtkralle reagierte nicht, fast schien er den Satz nicht verstanden zu haben, er war ihm zu lang, so sagte er nur: „Ja...“ Sein Unverständnis konnte er dennoch nicht verstecken. In diesem Moment mischte sich Fasanjunges ein: „Könnt ihr uns eine Geschichte erzählen? Von euren Themen verstehe ich nämlich nichts und so kurz vor unserer Zeremonie möchte ich noch einmal eine Geschichte hören!“ Die anderen nickten zustimmend.

„Wie wäre es dann mit der Geschichte unserer eigenen Schülerzeremonie? Großvater kann da bestimmt tolle Sachen erzählen.“ Die Stimme kam vom Höhleneingang. Rußwolke stand am Eingang. Ihre hellen, blassblauen Augen glühten im dämmrigen Zwielicht und sie keuchte leise. „Geht es dir nicht gut?“, Wolfsjunges klang besorgt. „Großmutter ist nur müde von der Patrouille, mein Liebes“, ihre Angewohnheit von sich in der dritten Person sprechen zu müssen, behielt sie konstant bei. „Großmutter wird zu alt dafür.“ Sie atmete einmal tief durch und setzte sich. „Nun erzählt den Kleinen schon etwas. Immerhin wird es das letzte Mal sein, bevor ihre Schülerzeremonie stattfindet.“ „Ahornstern will uns heute Abend zu Schülern machen?!“ Eschenjunges klang entzückt. „Will sie. Sie hat es vorhin nochmal bestätigt.“ „Klasse!“, jubelte Fasanjunges lauthals und wälzte sich begeistert über den Höhlenboden. Wolfsjunges hingegen lächelte nur leicht. Bald würde sie Schülerin sein, bald würde sie kämpfen und bald würde sie ihr Versprechen halten – sie würde ihrem Clan treu dienen. Daran glaubte sie ganz fest.

Kapitel 3Bearbeiten

„Wenn du nicht sofort stillhältst, werde ich bei Ahornstern dafür sorgen, dass du als einziges meiner Jungen kein Schüler wirst!“, schimpfte Düsterlicht gereizt und leckte Wolfsjunges zum wiederholten Male eine widerspenstige Haarsträhne auf dem Kopf glatt. Doch die Kätzin war zu nervös, um die Prozedur auch tatsächlich ruhig über sich ergehen zu lassen. Ihre winzigen Pfoten zitterten ununterbrochen und bearbeiteten unermüdlich das weiche Moos des Nests. Sie war so voller Energie, dass sie das Gefühl hatte, die ganze Strecke vom Höhleneingang bis in die Kinderstube in vollem Tempo rennen zu können – und zwar ohne dass sie von Eschenjunges überholt wurde. „Wie lange dauert es noch bis heute Abend?“, fragte Wolfsjunges zum wiederholten Male sehnsüchtig. Düsterlicht stöhnte genervt auf, bemühte sich aber um einen ruhigen, freundlichen Ton: „So lange wie es eben dauert, meine Süße.“ „Und wie lange dauert ‚wie es eben dauert‘?“ „Beim SternenClan - hör auf, mich mit Fragen zu löchern! Du wirst es bestimmt überleben, bis dann zu warten. Und jetzt halt endlich still.“

Dieses Mal gehorchte Wolfsjunges. Sie biss die Zähne zusammen und versuchte nicht vor Aufregung zu zittern, während ihre Mutter ihr das Fell putzte, bis es glänzte. Doch in ihrem Kopf schwirrten tausende Fragen herum: Wer würde ihr Mentor sein? Würde sie schnell Kriegerin werden? Wie fühlte es sich an, für den Clan zu kämpfen? Schmeckte selbstgefangene Beute wirklich besser? „So ist brav“, lobte die Königin und riss ihre Tochter mit ihrer Stimme aus dem Chaos ihrer Gedanken. „Gleich bist du fertig. Aber leg dich nicht in den Dreck. Du willst doch bei deiner Zeremonie sauber sein, nicht wahr?“ „Ja, Mutter“, antwortete Wolfsjunges wahrheitsgemäß. „Wer kommt nach ihr dran?“, wollte Fasanjunges wissen, während sie neugierig einer Spinne hinterherkroch, die durch die Höhle krabbelte. „Du bist als nächstes dran“, miaute Düsterlicht schlicht und leckte Wolfsjunges über die Wange. Fasanjunges jammerte leise: „Aber ich möchte noch etwas spielen!“ „Du bist bald Schülerin, dann spielt man nicht mehr.“ „Ja, darum will ich es ja ausnutzen. Also warum muss ich und nicht der faule Fellball da?“

Sie deutete auf Eschenjunges. „Hör auf, deinen Bruder zu beleidigen. Das habe ich euch doch erklärt: Vorhin hatte ich ja drei Dinge unter drei Steinen versteckt und euch einen Stein auswählen lassen. Wer das braune, verfaulte Blatt zieht, der muss sich als erstes putzen lassen, wer den Grashalm bekommt als zweites und wer die Blume findet als drittes. So bleibt es fair.“ „Aber ich hatte die Blume“, miaute Fasanjunges vorwurfsvoll. Ihr Hinterteil wackelte, während sie nach der Spinne schlug. Düsterlicht seufzte genervt auf: „Lüg nicht, Liebes. Meine Augen sind gut genug. Eschenjunges hatte die Blume.“ Ihr Bruder nickte mit glühenden Augen. Er selber versuchte ununterbrochen seinen eigenen Schatten anzugreifen, was aber natürlich misslang. Wolfsjunges blinzelte missmutig. Es ärgerte sie, dass sie das Blatt bekommen hatte. Es war so klar, dass sie immer verlieren musste! Für einen Augenblick fühlte sie einen Anflug von Frust, wenn nicht sogar von Hass auf sich selbst, weil sie sich entgegen ihres Gefühls nicht auf den Stein in der Mitte sondern auf den rechts außen stürzen musste.

„Wie lange dauert es noch?“, miaute sie zum Hunderttausensten Mal. Ihre Mutter schlug ihr unsanft mit der Schwanzspitze ins Gesicht, um deutlich zu machen, wie sehr ihr die Fragerei missfiel. Wolfsjunges quiekte und unterdrückte den Reflex, leise aufzuwimmern, als sie den Schmerz spürte. „Hör auf zu fragen, habe ich gesagt! Morgen kannst du deinen Mentor und die anderen Schüler löchern.“ „Welche anderen Schüler?“ Dieses Mal war es Fasanjunges, deren Stimme dumpf klang, weil sie ihren Kopf in ein Loch in der Höhlenwand gesteckt hatte, worin scheinbar das Objekt ihrer Begierde verschwunden war. Als sie wieder herauskam, hatte sie dicke Spinnweben an den Ohren und war komplett eingestaubt. Sie nieste. Düsterlicht überlegte kurz: „Beide sind nur etwas älter als ihr. Vielleicht einen halben Mond.“ „Wie kommt es dann, dass wir sie nicht kennen?“ „Sie hatten eine ansteckende Krankheit und darum musste er lange isoliert bleiben. Als ihr kleiner wart, habt ihr manchmal mit ihnen gespielt.“ „Ich erinnere mich dumpf“, bemerkte Eschenjunges nachdenklich. „Ich glaube… sie waren Schwächlinge.“ „Eschenjunges, ich muss doch sehr bitten, sowas sagt man nicht und…-“ Wolfsjunges ignorierte die Schimpftirade auf ihren Bruder. Stattdessen versuchte sie, sich das Gesicht des jungen Katers vorzustellen, doch gab es bald auf; sie konnte keine Katze mit der Beschreibung verbinden. Es musste lange her sein, seit sie mit ihm gespielt hatte. Gelangweilt wollte sie aus dem Nest krabbeln, doch Düsterlicht schien es bemerkt zu haben und zog ihre Tochter wieder energisch ins Nest. „Du bleibst jetzt endgültig hier.“

„Hmpf!“, antwortete Wolfsjunges, doch ließ sich gehorsam auf ihr Hinterteil fallen. „Komm her, Fasanjunges.“ Die Königin sprach in einem freundlichen Tonfall, der aber dennoch keine Widerworte zuließ. „Fasanpfote! Ab heute heißt es dann Fasanpfote!“, krähte Fasanjunges fröhlich. Sie klang sehr glücklich. Noch während sie zu ihrer Mutter trottete, kugelte sie sich ein paar Mal im Staub, bis ihr sandfarbenes Haarkleid einen staubigen, grauen Farbton angenommen hatte. Düsterlicht seufzte leise auf, kommentierte das Verhalten aber nicht. Stattdessen begann sie intensiv, Fasanjunges‘ verschmutzten Pelz wieder zu reinigen, obwohl man ihrem Gesichtsausdruck deutlich ansehen konnte, dass sie den Geschmack von Dreck in ihrem Maul überhaupt nicht schätzte. Sie reinigte sorgfältig erst die Ohren ihrer Tochter, dann glitt sie mit ihrer Zunge sanft über den Kopf und Hals. Wolfsjunges betrachtete das Ganze interessiert. Düsterlicht erledigte die lästige Pflicht mit einem Ausdruck stoischer Gelassenheit. „Wie lange dauert es noch bis heute Abend?“, maunzte Fasanjunges. Die Mutterkatze verdrehte die Augen: „Fang nicht so an wie deine Schwester!“ „Ja…aber...-“ „Kein aber!“ „Aber ich will jetzt Schülerin werden.“

Schweigen. Jeder war in seine eigenen Gedanken vertieft. Eschenjunges spielte gelangweilt mit einem Kieselstein herum, weil dieser weiße Linien auf dem Höhlenboden zog, wenn man ihn am Boden wetzte. Fasanjunges döste, während sie sich von ihrer Mutter reinigen ließ. Wolfsjunges gähnte. Über die gesamte Kinderstube hatte sich eine bedrückte, schwere Atmosphäre gelegt. Fast schien einem das Atmen schwerer zu fallen als sonst. Irgendwann war Düsterlicht mit Fasanjunges fertig. Sie gab ihrer Tochter einen liebevollen Stups auf das Hinterteil, ehe sich die Kleine neben Wolfsjunges niederließ. Eschenjunges ließ sich auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht davon abhalten, weiterzuspielen. Erst als die Königin ihn energisch am Nackenfell packte und schmerzhaft über den Boden zog, denn zum Tragen war er inzwischen viel zu schwer, hörte er auf, sich zu wehren. Mit missmutigen Gesicht ließ er sich von seiner Mutter putzen, wobei es aussah, als könnte er sich nichts Schlimmeres vorstellen. Doch Wolfsjunges konnte an seiner Mimik erkennen, dass eine gewisse Traurigkeit vermischt mit freudiger Erwartung darin lag. Er wollte es nur nicht zugeben.

Schließlich beendete Düsterlicht die Pflege ihrer Jungen. „Ab morgen werdet ihr euch selber putzen müssen und zusammen mit den anderen im Schülerbau schlafen“, sagte sie wehmütig. Wolfsjunges nickte ernsthaft: „Aber wir werden dich trotzdem immer noch liebhaben.“ Die ältere Kätzin lächelte leicht; ein seltener Anblick: „Ich weiß. Und ihr sollt wissen, dass ich immer auf euch stolz sein werde.“ Die Drei blickten einander an. Sie dachten alle dasselbe. Aber auch nur dann, wenn wir wirklich unserem Clan treu bleiben.

Als endlich die Sonne hinter dem Horizont versank, die Welt in ein blutrotes Licht tauchte, so als weinte der Himmel darüber, dass die Jungen bald Schüler seien würden, kehrten die ersten Patrouillen zurück. Langsam füllte sich das Lager des EchoClans mit Katzen. Neugierige Grüppchen schwatzten miteinander, fraßen zusammen und erwarteten den Abend. Fast so sehnsüchtig wie der Wurf. Schließlich verglühte der letzte Sonnenstrahl hinter dem Horizont und die Welt verdunkelte sich. Erst in ein farbenfrohes Glühen, dann in ein tiefes Blau und irgendwann in ein geheimnisvolles Schwarz. Als schließlich die Finsternis die Umgebung mit ihrem dicken, weichen Pelz umhüllt hatte wie eine Königin ihre Jungen, rief Ahornstern endlich den Clan zusammen.

„Ich fordere alle Katzen auf, die alt genug sind, ihre Beute selbst zu fangen, sich unter dem [Ort] zu versammeln“. Ihre Stimme klang durchdringend. Der Clan gehorchte augenblicklich. Wolfsjunges reckte neugierig den Kopf aus der Kinderstube heraus. Oben auf einem Felsvorsprung hockte die Anführerin. Majestätisch. Anmutig. Stolz. „Lass mich auch mal sehen!“ Eschenjunges drängte an seiner Schwester vorbei, nur um kurz darauf von Fasanjunges zur Seite geschoben zu werden. Düsterlicht stöhnte auf: „Beim SternenClan. Ihr seid fast Schüler, benehmt euch gefälligst wie solche!“ Sie verpasste allen dreien einen groben Schubs und drängte sie in den Hauptkessel des Tunnelsystems. Alle Augen waren auf den Wurf gerichtet. Sturmstern lächelte seinen Jungen ermunternd zu; der Rest der Verwandtschaft tat es ihm gleich. Sie wirkten so glücklich. Für einen Augenblick war Wolfsjunges überwältigt, dann blickte sie zurück zu Ahornstern. Diese winkte die drei Jungen mit einer eleganten Bewegung ihres Schweifes zu sich.

„Eschenjunges, Wolfsjunges, Fasanjunges“, sagte sie kühl. „Tretet vor.“ Die Drei gehorchten prompt. „Eschenjunges, du bist nun sechs Monde alt und es ist an der Zeit, um mit deiner Ausbildung zu beginnen. Von diesem Tag an, dieser Schüler sich seinen Kriegernamen verdient hat, wird er Eschenpfote heißen. Ich rufe meine Kriegerahnen an, über diesen Schüler zu wachen, bis er in seinen Pfoten die Kraft und den Mut eines Kriegers findet. Zeige ihm, was es heißt, unserem Clan zu dienen und bringe ihm all das bei, was dir einst selbst gelehrt wurde. Ich bin überzeugt, du wirst ihn ganz hervorragend ausbilden.“ Sie wandte sich an einen Kater. „Sturzflug, Du wirst der Mentor von Eschenpfote sein und ich bin davon überzeugt, dass du dein Wissen an ihn weitergeben wirst.“

Sturzflug beugte seinen Kopf nach vorne und berührte seine Nase mit der seines Schülers. Sie blickten einander ernsthaft in die Augen und schienen direkt die Verbindung sich zu spüren. Dann wiederholte Ahornstern die Prozedur bei Fasanjunges; gab ihr Hügelkralle als Mentor, die beiden waren sich von Anfang an sofort sympathisch und Wolfsjunges konnte sehen, wie ihre jüngere Schwester, nun mehr Fasanpfote, fröhlich mit ihm zu plappern anfing. Für einen Moment musste sie lächeln, doch im selben Moment riss Ahornsterns Stimme sie aus ihren Gedanken.

„Wolfsjunges…“ Sie drehte sich um. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, als wollte es in ihrer Brust zerspringen. „Wolfsjunges, du bist nun sechs Monde alt und es ist an der Zeit, um mit deiner Ausbildung zu beginnen. Von diesem Tag an, bis diese Schülerin sich ihren Kriegernamen verdient hat, wird sie Wolfspfote heißen. Ich bitte den SternenClan, über diese Schülerin zu wachen, bis sie in ihren Pfoten die Kraft und den Mut eines Kriegers findet. Kirschkralle, du wirst diese Schülerin hervorragend ausbilden und zu einer Kriegerin des EchoClans machen, die den Stolz unseres Clans verteidigen kann. Du wirst die Mentorin von Wolfspfote sein. Deine Aufgabe wird sein, diese junge Katze zu einer Kriegerin zu machen, die dir ebenbürtig sein wird. Lehre sie alles, was man dir einst beigebracht hat und sorge dafür, dass auch sie es an zukünftige Generationen weitergeben kann.“ Eine Sekunde lang war Wolfspfote vollkommen verwirrt. Sie blickte der schlanken, roten Kätzin mit den durchdringend grünen Augen ins Gesicht. Die blickte zurück, sagte aber nichts. Doch schließlich lehnte sich ihre Mentorin nach vorne, berührte Wolfspfotes Nase mit ihrer eigenen. „Wem dienst du?“, fragte Kirschkralle knapp. „Meinem Clan.“

Die ältere Kätzin wirkte ein bisschen enttäuscht. „Standardantwort. Du dienst erstmal nur mir. Ohne mich wirst du niemanden dienen können. Verstanden?“ „Verstanden…“ Ein bisschen ängstlich legte Wolfspfote die Ohren an. Kirschkralle lächelte leicht: „Ein Krieger hat niemals Angst. Also hab auch du keine.“ Sie stieß die Schülerin an, betrachtete sie kurz. „Ich bin gespannt, was aus dir wird“, grollte sie mit einem Unterton in der Stimme, der die braungetigerte Kätzin neugierig machte. „Wir fangen morgen mit dem Training an. Ruh dich aus. Bei Sonnenhoch geht es los.“ Damit verschwand sie in der Dunkelheit. Für einen Moment noch glühte Kirschkralles rotes Fell wie eine Flamme, dann war sie entschwunden. Verwirrt schüttelte Wolfspfote den Kopf, aber dachte nicht weiter groß darüber nach, stattdessen lief sie zu ihren Geschwistern, die bereits auf dem Weg zum Schülerbau waren.

„Wartet auf mich!“, rief sie ihnen zu und rannte auf Fasanpfote und Eschenpfote zu. Gemeinsam traten sie ein, während sie fröhlich ihre neuen Mentoren verglichen. In ihrem neuen Quartier roch es nicht nach Milch, aber nach weichem Moos und Schweiß vergangener Anstrengungen. Wolfspfote erblickte die Gestalten zweier dösender Katzen. „Uhm…hallo?“, miaute sie, weil ihr nichts Besseres einfiel. Eine träge Begrüßung folgte, doch die beiden anderen waren zu müde, um sich großartig zu unterhalten, also ließ sich Wolfsjunges in einem der leeren Nester nieder, legte den Schweif über die Nase und döste weg.

Kapitel 4Bearbeiten

Kirschkralle legte ein zügiges Tempo auf dem Weg zum Trainingsplatz vor und sah sich nur dann um, wenn Wolfspfote stark zurückfiel. Die junge Schülerin japste bereits jetzt und fühlte jeden einzelnen ihrer Muskeln brennen. Ihre noch weichen, rosigen Ballen waren durch kleine, scharfkantige Steinchen aufgeschlitzt worden, wo sie hintrat hinterließ sie eine dünne Blutspur, ihr rasselnder Atem verriet, dass sie an Anstrengungen dieser Art nicht gewöhnt war. Dort wo Kirschkralle einen geschmeidigen Schritt machte, machte sie mindestens drei und tapste mehr hilflos hinter ihrer Mentorin her als ihren eignen Weg zu gehen. Sie keuchte. „Können…Können wir eine Pause machen?“, fragte Wolfspfote ächzend zwischen zwei rasselnden Atemzügen. „Ist-…ist es noch weit?“ Vor ihr erstreckte sich die steile Gebirgslandschaft in ihrer unwirtlichen Schönheit, präsentierte die glatten Felswände der abfallenden Schluchten, doch genauso aber die spitzen Berge, die sich wie Krallen in den Himmel streckten, als wollte sie die Wolken zerteilen. Kirschkralle hielt inne: „Wir sind fast da. Eine Pause lohnt sich nicht.“ „Wie weit müssen wir denn noch?“ „Nicht weit.“

Die Aussage half Wolfspfote natürlich gar nicht. Es kam ihr vor, als wäre sie seit Morgengrauen auf den Beinen und wäre seitdem nur bergauf geklettert, um das riesenhafte Felsplateau zu erreichen, wo die EchoClan-Katzen ihre Schüler erreichten, doch wenn sie sich umdrehte, sah sie in der Ferne zwischen abfallenden Klippen und winzigen, zähen Kiefern immer noch das klaffende Loch, was den Eingang zum Lager bildete. Zwei riesige Stalaktiten hingen vom Höhleneingang hinab wie Fangzähne, so dass jeder, der das Allerheiligste der Gebirgskatzen betrat sich fühlen musste, als würde er direkt in den Schlund eines riesigen Monsters hineinspazieren. Der Gedanke ließ Wolfspfote erschauern. Sie bemühte sich, schnell Schritt mit Kirschkralle zu halten, welche soeben mit einem eleganten Hechtsprung über einen kleinen Gebirgsbach hinwegsetzte. Statt wie ihre Mentorin über das unscheinbare, fröhlich sprudelnde Gewässer zu springen, hüpfte sie unbeholfen über einige glitschige Steine, wobei das kalte, klare Wasser ihre Pfoten komplett durchnässte, sich aber gleichzeitig rot vom Blut färbte. Kirschkralle betrachtete das Ganze relativ emotionslos, doch erwiderte dann: „Deine Ballen werden sich noch aushärten.“

Wolfspfote fühlte sich von der Aussage zwar keineswegs aufgeheitert, doch nickte, ehe sie schweigend ihren Weg fortsetzten. Irgendwann kam das Plateau in Sicht. Vor ihnen erstreckte sich ein vom Wind perfekt glattgeschliffener Felsen mitten im Niemandsland. Vorsichtig setzte Wolfspfote ihren ersten Schritt darauf. Der Stein war kühl, doch von abertausenden Krallenspuren durchzogen, die die ebenmäßige Oberfläche aufrissen. Hier hatten schon ihre Großeltern das Kämpfen gelernt. Ehrfurcht befiel sie.

Kirschkralle wirkte weniger beeindruckt. Ihre Mentorin sah sich um. „Sieht aus, als wären wir nicht die Einzigen hier“, bemerkte sie. „Nicht?“ Wolfspfote blickte sich verwirrt um. Erst nach einigen Sekunden des Suchens entdeckte sie, was sie suchte. „Eschenpfote!“, rief sie überrascht und herüber zu ihrem Bruder rennen. „Eschenpfote, ich bin es!“ Kirschkralle zog sie energisch mit einer Pfote zurück. „Er trainiert. Dabei stört man nicht.“ „Er…tut was?“ Wolfspfote sah überrascht herüber. Ihr Bruder machte seltsame Bewegungen, als wollte er die Luft schlagen, so schien es zumindest, doch bei näherer Betrachtung dessen, was sich dort abspielte, erkannte Wolfspfote, dass er nicht alleine war. Ein dunkler Schatten huschte um Eschenpfote herum, wich dessen Bewegungen aus, attackierte ihn. Sturzflug, Eschenpfotes Mentor stand daneben, betrachtete scheinbar das Ganze mit aufmerksamen Blick. Daneben saßen Hügelkralle und Fasanpfote, von dem Anblick völlig absorbiert. Sowas hatte Wolfspfote noch nie gesehen. Das war keiner der spielerischen Kämpfe, die sie und ihre Geschwister abends in der Kinderstube gespielt hatten, wo das Moos nur so flog. Das hier war ernsthaftes Training. Staub wirbelte auf, Rücksicht nahm keiner auf den anderen. Fauchen war zu hören. Fluchen. Es war das Schönste, aber gleichzeitig auch das Schrecklichste, was Wolfspfote je gesehen hatte. Es war ein winzig kleiner Krieg, der sich hier vor ihrer Nase abspielte.

„Ich…“, sagte sie. „Ich möchte mir das ansehen.“ Kirschkralle wirkte etwas überrumpelt, blinzelte sich die Überraschung aus dem Gesicht: „Dann geh. Lerne.“ Nur einen Herzschlag später stolperte sie nach vorne, immer im Bemühen, möglichst unauffällig zu bleiben, um den wilden Kampf nicht zu unterbrechen. Sie verlagerte ihren Körperschwerpunkt möglichst weit nach oben, legte das Gewicht auf die Oberschenkel, um möglichst leise auftreten zu können. Bei jedem ihrer wackelig schleichenden Schritte spürte sie Kirschkralles prüfenden Blick auf sich, der sie durchstieß wie Dornen. Mehrmals drohte sie zu fallen, aber schaffte es jedes Mal das Gleichgewicht zu halten. Nur unbemerkt blieb sie dabei nicht. Irgendwann drehte sich Sturzflug um. Er fixierte sie. „Mach doch nicht so einen Krach“, zischte der Kater leise. „Bei dem da, was du Schleichen nennst wäre die Beute schon längst wieder in ihrem Loch verschwunden.“ „Oh...äh…Entschuldigung“, miaute Wolfspfote verlegen. Er seufzte auf: „Wenn du dir schon das Training deines Bruders ansehen musst, dann setz dich. Und sei ruhig.“ Sie nickte langsam. Gehorsam ließ sie sich auf den Hinterpfoten nieder.

Der Kampf mutete an wie der eines Adlers gegen eine Maus. Eschenpfote, der zwar für sein Alter ziemlich groß gewachsen war, kämpfte gegen einen schlaksigen, hochgewachsenen Kater, dem man ansah, dass er schon einige Monde Training hinter sich gebracht hatte. Der Ältere tauchte unter den Hieben ihres Bruders hinweg wie eine Schlange und ließ den jungen Schüler blindlings ins Leere schlagen. Seine eigenen Angriffe waren schnell, gewandt. Obwohl er nicht aussah, als hätte er übermäßig viel Kraft, stieß er Eschenpfote mit dem Kopf um, woraufhin dieser durch den Staub kugelte, aber gleich wieder aufsprang. „Gib’s ihm, Eschenpfote!“, johlte Sandpfote laut. Sie hüpfte vor Begeisterung auf und ab. „Mach ihn fertig!“ Sturzflug schien wenig amüsiert von ihren Anfeuerungsrufen zu sein, blieb aber trotzdem stumm. Der Fremde ließ sich nicht beirren, doch als sein Blick auf die Zuschauer fiel, stutzte er merklich. Er hielt mitten in der Bewegung inne. Eschenpfote merkte dies sofort und versetzte seinem Gegner einen deftigen Kinnharken, der ihn nach hinten schleuderte. Der Ältere schüttelte sich „Es reicht.“ Der Ältere hielt mitten in der Bewegung inne. „Danke für deine Hilfe“, miaute Sturzflug. „Das war bestimmt sehr lehrreich für Eschenpfote. Er hat noch nie gegen einen anderen Kater gekämpft. Und seinen Schwestern hast du bestimmt auch eine gute Vorlage für ihr Training geliefert.“ Der dunkle Fremde lächelte verlegen, neigte dankend den Kopf. „Du kannst dann jetzt gehen, Krähenpfote.“

Er nickte, wollte schon gehen, doch dann fiel sein Blick auf Wolfspfote. „Was haben wir denn hier?“, miaute der ältere Schüler amüsiert. Krähenpfote sprach mit einem rauen Akzent, der von seiner Abstammung außerhalb des Clans zeugte. „Zuschauer?“ Seine Augen waren grün, aber es war ein ganz anderes grün als das von Kirschkralle. Es war wärmer. „Sowas…in der Art“, brachte Wolfspfote hervor. Ihr Kopf war von einer Sekunde auf die andere leergefegt. Jeder ihrer Gedanken stand still. „Es tut uns leid, wenn wir äh…gestört haben.“ „Tut es nicht!“, rief Fasanpfote dazwischen. „Beim nächsten Mal macht Eschenpfote dich fertig!“ Krähenpfote schenkte ihr einen kurzen, amüsierten Blick, sah dann aber zu Wolfspfote zurück: „Da gibt es nichts, wofür du dich entschuldigen musstest. Du hast mich nur etwas abgelenkt.“ Er grinste: „Du bist nämlich sehr niedlich.“ „Ich bin…was?!“ Der Schüler lachte lauthals auf: „Wie süß. So, ich würde auch gerne noch zum Plaudern bleiben, aber ich fürchte, dann häuten mich eure Mentoren. Man sieht sich doch, hoffe ich.“ Krähenpfote zwinkerte ihr zu. „Ja…bis…bis später dann.“

Damit verschwand er, drehte sich aber noch einmal um. Wolfspfote blinzelte einige Male. Der dicke Nebel in ihrem Kopf klarte nur langsam. Sie schüttelte den Kopf. „Der war aber…nett.“ Fasanpfote quietschte: „Wolfspfote ist verliiiiiiiebt! Wolfspfote ist verknaaaaaallt!“ „Bin ich gar nicht!“, empörte sie sich und schlug nach ihrer kleinen Schwester. „Aber du hast gesagt, dass er nett ist“, lachte Fasanpfote und stupste sie frech mit der Nase an. „Das heißt, du magst ihn. Und er findet dich süß.“ Sie leckte ihr über die Wange: „Aber das meint er doch gar nicht ernst. Das war ein Scherz. Er brauchte nur eine Ausrede, warum Eschenpfote ihm eine Ohrfeige verpassen konnte.“ Fasanpfote legte enttäuscht die Ohren an: „Oh…schade.“ Ihr Bruder mischte sich ein. „Habt ihr gesehen, wie ich dem eine geknallt habe? Der hat bestimmt immer noch Sternchen vor den Augen!“, prahlte er gut gelaunt. Wolfspfote musste lachen: „Oh ja, garantiert!“ „Was wird das hier?!“, grummelte Sturzflug grimmig. „Hört auf zu quatschen wie ein paar uralter Kätzinnen!“ „Lass sie doch, sie sind noch so jung“, miaute Hügelkralle amüsiert. „Jugend schützt vor Strafe nicht“, erwiderte eine Stimme kühl. Die beiden Krieger drehten sich langsam nach Kirschkralle um, die sich vollkommen unbemerkt dazu gesellt hatte. „Meine Schülerin sollte trainieren und nicht plaudern.“

Ihr tadelnder Blick führte dazu, dass Wolfspfote den Kopf zwischen die Schultern zog und ängstlich aufblickte. Jedes Haar in ihrem Nacken war gesträubt, Kirschkralle wirkte wirklich gereizt. „Sei nicht so streng mit ihr“, erwiderte Hügelkralle freundlich. Ihre Mentorin starrte ihn an, als wäre er nichts weiter als ein unappetitliches Stück Aas und zischte leise: „Ich bin so streng mit meiner Schülerin, wie ich es für angemessen halte. Und ich strafe auch, wie ich es für angemessen halte.“ Ihr Tonfall ließ Hügelkralle verstummen, selbst Sturzflug zuckte zusammen. „Wolfspfote. Komm.“ Widerstand war zwecklos. Hilflos trat Wolfspfote vor. „Komm.“ Sie folgte ihrer Mentorin zur anderen Seite des Plateaus mit wachsenden Misstrauen. Sie war auf vieles gefasst Darauf, dass sie zur Strafe bis zur Grenze des Territoriums rennen zu müssen oder an diesem Abend auf ihr Abendessen verzichten zu müssen. Nicht aber rechnete sie damit, dass Kirschkralle sich vor ihr niederließ und den Schweif um die Pfoten wickelte.

„Setz dich“, wies sie ihre Schülerin eisig an. Wolfspfote gehorchte augenblicklich. Für einen Moment flackerte Wohlwollen in dem Gesicht der roten Kätzin auf, sogar ein leichtes Lächeln: „Hör mir zu.“ Wolfspfote spitzte brav die Ohren: „Du dienst nicht deinem Clan. Du dienst mir. Bis du so weit bist, selbst zu dienen, dienst du nur mir. Du gehorchst mir. Du vertraust niemanden. Es geht um dich. Nicht um deine Geschwister. Denk nicht an andere. Denk an dich. Dein Blut. Du bist rein. Das macht dich besser. Besser als die meisten. Es sagt, dass du eine Kämpfernatur bist. Dass du zum Dienen gemacht wurdest. Zur ewigen Treue.“ „Das…versteh ich nicht ganz“, sagte Wolfspfote. „Inwiefern bestimmt Blut die Zukunft?“ „Gutes Blut muss leben. Schlechtes muss ausgerottet werden. Gutes Blut muss kämpfen. Schlechtes muss geschlagen werden.“ „Wir EchoClan-Katzen sind also gutes Blut?“ „Wir sind das beste Blut“, fauchte Kirschkralle. Der Gedanke widerstrebte Wolfspfote. Sie dachte an Krähenpfote, den alle einen Bastard nannten und dann an sich und an die trächtige Königin, die noch am gestrigen Abend in die Kinderstube eingezogen war und in derselben Nacht ein reinweißes Junges zur Welt gebracht hatte, was die anderen reiner als nur rein nannten. Nicht nur wegen seiner Abstammung. Sondern auch wegen seines Pelzes.

„Ich glaube…ich verstehe. Aber was hat das dann mit meiner Bestrafung zu tun? Liegt es daran, dass ich meine Deckung hab fallen lassen?“ Kirschkralle betrachtete ihre Schülerin mit mäßigem Interesse: „Durchaus. Vertraue niemanden. Kontrolliere.“ „Das ist falsch“, sagte Wolfspfote, verwirrt von ihrem eigenen, plötzlich aufkeimenden Mut. „Wenn wir nicht wissen, wer unsere Freunde sind, können wir auch nicht wissen, wer unsere Feinde sind!“ Es war respektlos, was sie sagte. Das war ihr bewusst. Sie stellte ihre Mentorin infrage. Das war eigentlich unschicklich. Sie wartete auf eine Strafe. Eine weitere Strafe. Aber da kam nichts. Gar nichts. Kirschkralle sah sie nur an. Ohne auch nur eine Miene zu verziehen. Wolfspfote wusste nicht, ob die Kätzin nur überlegte, oder beeindruckt war, aber es blieb ihr auch keine Zeit mehr, länger darüber nachzudenken.

Denn plötzlich schlug Kirschkralle ihr ins Gesicht. Der Schmerz explodierte in Wolfspfotes Kopf. Sie miaute gepeinigt auf, als die dornenscharfen Klauen über ihre rechte Wange fuhren. Das Fleisch riss auf, das Ratschen war ein wahrhaft widerliches Geräusch. Blut lief ihr Kinn hinab und tropfte auf den sandigen Untergrund. Wolfspfote bemühte sich, nicht zu weinen, obwohl ihre ganze Seite brannte. Kirschkralle zog ihre Pfote zurück und betrachtete nun mehr fast schon gelangweilt ihre Krallen, die nun denselben Farbton angenommen hatten wie ihr ganzer Pelz. „Regel Nummer Eins: Der Feind, der aus dem Nichts kommt, wenn du ihn nicht erwartest, ist der Gefährlichste“, knurrte ihre Mentorin. „Regel Nummer Zwei: Dieser Feind kann jeder sein. Dein Bruder. Deine Schwester. Dein Gefährte. Dein bester Freund. Jeder. Regel Nummer Drei: Wenn du das nicht verstehst, dann wirst du sterben, noch ehe wir einmal trainiert haben.“

Fasanherz' TodBearbeiten

„Sie war untreu!“, kreischte eine Kriegerin schrill. „Eschenpelz und ich haben sie gesehen, wie sie an der Grenze einen Kater getroffen hat, der nach HurrikanClan roch! Die ganze Patrouille hat es gesehen!“ „Ich habe nichts Verwerfliches getan!“, rief Fasanherz verzweifelt und drückte die vier Jungen eng an ihren Bauch. Eschenpelz schnaubte angewidert: „Nein, nur nicht. Du hast mit ihm über die Jungen gesprochen. Du hast gesagt, es seien seine!“ „Er lügt!“ Doch niemand glaubte ihr. Die Kleinen maunzten ängstlich. Irgendwer in der letzten Reihe der Schaulustigen um Fasanherz herum knurrte: „Sie hat Bastarde in den Clan gebracht, Mischlinge geboren, den Clan hintergangen und das Gesetz der Krieger gebrochen!“ Eschenpelz starrte seine Schwester an, unter seinem Blick schmolz sie förmlich zusammen. „Dieses Mal ist keine Wolfslied da, um dich zu retten!“, zischte er ihr ins Ohr. Sie wimmerte. „Rache!“, schrie der Clan. Die einzelnen Stimmen vereinigten sich in der Höhle zu einem tosenden Donnerschlag. Der Lärm war ohrenbetäubend. „Rache! Rache! Rache!“ Immer wieder. Auch Eschenpelz brüllte aus Leibeskräften und sah dabei gespannt zu Blütenstern, der Anführerin, und Kirschkralle, ihrer Stellvertreterin, hinauf, die dem Spektakel mit ausdruckslosen, kalten Gesichter zusahen. Irgendwann legte sich der Lärm. Fasanherz kauerte am Boden und zitterte hilflos über den Jungen. „Alles wird gut, alles wird gut“, flüsterte sie den kleinen Geschöpfen zu, obwohl sie wusste, dass es nie gut werden würde. „Ich bitte um Ruhe“, Blütensterns Stimme durchschnitt die Luft. Eisiges Schweigen legte sich über die Katzengruppe. „Ihr sollt eure Rache haben.“ Kirschkralle nickte langsam, flüsterte fast unhörbar etwas in Blütensterns Ohr, woraufhin die Augen ihrer Anführerin aufleuchteten: „Eschenpelz, du sollst sie bestrafen!“ Überrascht hob er den Kopf, starrte sie verwirrt an. „Ich?“ „Deine eine Schwester ist geflohen, feige wie ein Eichhörnchen und deine andere hat es gewagt, das heilige Gesetz zu brechen. Beweise uns, dass wenigstens du, du mit deinem reinen, schönen Blut, niczt verdorben bist. Zeige uns deine Treue - töte Fasanherz und die Jungen!“ „Nicht die Jungen!“, heulte Fasanherz schrill auf. „Mich könnt ihr töten, aber lasst die Jungen leben!“ „Gebt sie dem Vater“, schlug Eschenpelz vor und war noch im selben Moment überrascht von seiner eigenen Eiseskälte. „Soll die Brut mit dem HurrikanClan verrecken!“ Zustimmendes Murmeln von allen Seiten. „Nun gut“, sprach Blütenstern. Kirschkralle fügte hinzu: „Aber töte nun Fasanherz!“ Von allen Seiten beobachtet schrat er zu ihr herüber. In ihren Augen konnte er sich spiegeln und zugleich die Angst darin sehen. Einige Krieger schubsten grob die Jungen von ihrem Bauch weg. Er starrte sie an: „Verräterin!“ „Nein! Nicht, Eschenpelz!“, das war Düsterlichts Stimme. Er ignorierte ihr Flehen und noch im nächste Moment stürzte er sich auf Fasanherz. Anfangs trat sie um sich, schlug und schrie, Blut spritzte auf, doch irgendwann verschwand die Panik aus ihrem Blick, stattdessen erfüllten ihre Pupillen sich mit sanfter Ruhe. Sie wehrte sich nicht mehr, sie lächelte sogar fast, als Eschenpelz ihr die Zähne in den Hals grub und ihrem Leben ein Ende setzte. Fasanherz war tot. Sie lag in einer Lache aus ihrem eigenen Blut. Die leeren Augen starrten ins Nichts. Eschenpelz atmete schwer, er fühlte sich wie betäubt, als er die Leiche betrachtete. Und erst da begriff er, was er getan hatte. Er hatte aus purer Böswilligkeit seine eigene Schwester getötet. Der Clan jubelte, doch er hörte es nicht. Sein Körper fühlte sich taub an und von weitem glaubte er, Fasanherz' Stimme wahrzunehmen. „Bis bald, Brüderchen“, flüsterte sie.

Unschuldige JungeBearbeiten

Das Lager des HurrikanClans lag ruhig in der Mittagssonne. Die meisten Katzen dösten faul auf den warmen Steinen oder im Sand. Es herrschte eine eigentümliche Ruhe, einige Grillen zirpten leise. Totenstille. Sonnenstern betrachtete ihren Clan von ihrem Ruheplatz aus und lächelte leicht. Ihr Clan, ihr eigener Clan. Und mittlerweile hatte ihr Clan auch eigene Jungen. Es waren Wolfslieds und Pantherkralles Junge. Zwei winzige Kater. Bei dem Gedanken an die Kleinen wurde ihr warm ums Herz. Sie schloss erneut die Augen, versank in dunklen Träumen von einer Zukunft, in der die beiden Kater große, stolze Krieger waren, eine wunderschöne Vorstellung. Fast konnte sie den Geruch der Zwei spüren, ihren EchoClan-Geruch. Verwirrt riss sie die Augen auf. "EchoClan!", brüllte sie überrascht. "Ich kann sie kommen riechen!" Überraschte Gesichter hoben sich vom Boden an. Dann brach das Chaos auf. "Sie wollen uns angreifen!" "Was ist passiert?!" "Das ist ein Hinterhalt!" Tausende Wortfetzen durcheinander. "Ruhe!" Sonnenstern versuchte energisch, ihren Clan zu bändigen. Es half nichts. Alles stoß durcheinander, versuchte in Kampfstellung zu gehen und fauchte. Niemand bemerkte die Gestalten, die sich durch den Lagereingang schoben und mit Seelenruhe dem Ganzen folgten, dabei mehr als amüsant in sich hinein lächelten. "Es scheint heiß daher zu gehen", miaute die eine Gestalt. Sonnenstern warf den Kopf herum und starrte gradewegs in Kirschkralles Antlitz. Für einen Moment stand die Welt still. "Seid ihr wohl ruhig, ihr mäusehirnigen Fuchsherzen?!" Die Mäuler einiger Clankatzen öffneten sich überrascht und schlossen sich genauso schnell wieder. Erst dann sprach Sonnenstern in die Stille hinein: "Kirschkralle, was wollt ihr hinterhältigen Schlammkriecher hier?" Der Tonfall war misstrauisch, sie machte sich keine Mühe, höflich zu bleiben. Die zweite Anführerin des EchoClans verzog keine Mine. "Ihr habt etwas verloren", miaute sie kühl. "Wir wollen es zurück geben." Sie winkte vier Krieger heran, die jeweils ein winziges Bündel Fell trugen. Erst bei näher Betrachtung entpuppten sich die Häufchen als Katzen. Als Junge. Vollkommen unterernährt, mager und ausgemergelt hingen die Kleinen kraftlos aus den Mäulern ihrer Träger. "Das sind nicht unsere Jungen." Sonnenstern klang verwirrt. "Doch. Sind sie. Wo ist Wolfslied?" Der apruppte Themawechsel irritierte sie: "Was wollt ihr von ihr?" "Man antwortet auf Fragen nicht mit Gegenfragen, Sonnenstern." "Ich lasse sie erst holen, wenn ihr ausgespuckt habt, was ihr von ihr wollt!" Wütend sträubte sie ihr Fell. "Ihr ein Geschenk geben. Dies sind die Jungen ihrer Schwester. Ich bin mir sicher, sie will ihre kleinen Neffen und Nichten kennenlernen", säuselte Kirschkralle süßlich, wobei ihre Stimme klang, wie über Eis rinnender Honig. Sonnenstern legte die Ohren an und fuhr die Krallen aus, nickte dann einem ihrer Krieger zu, der sofort gen Kinderstube rannte und mit Wolfslied wiederkam. Die braune Kätzin wirkte müde, doch als sie Kirschkralle erblickte, verzog sich ihr Gesicht zu einer hasserfüllten Maske: "Kirschkralle, was willst du?" "Dir Fasanherz' Junge geben." "Meine Schwester hat keine Jungen, du lügst." "Doch hat sie. Mit einem eurer Kater. Einem HurrikanClan-Kater. Sie war untreu." "Fasanherz hätte ihren Clan niemals verraten!", Wolfslied klang ängstlich. Ihre ehemalige Mentorin blickte sie direkt an: "Doch. Das hat sie." "Was...ist mir ihr geschehen?" "Sie hat die Strafe bekommen, die sie verdient hat." Wolfslieds Augen wurden dunkel vor Trauer, sie senkte den Blick. "Und nun Wolfslied, du musst es wissen, sag mir, wer der Vater dieser hinreißenden Winzlinge ist." "Ich...weiß es nicht." Daraufhin wandte die rote Kätzin sich an den ganzen Clan: "Nun, wer von euch ist der Vater?" Schweigen. "Wer ist der Vater?" Stille. "Ihr wollt es mir nicht sagen? Schade." Kirschkralle drehte sich auf der Stell um und nahm einem der Krieger ein Junges ab, setzte es zwischen ihre Pfoten. "Was für ein süßer Kleiner, er wird mal ein prächtiger Kater." Sie hob ihn wieder hoch. Der Kleine winselte leise und seine Pfoten zuckten hilflos, bis sich das Winseln in einen schrillen Schrei und sich der schrille Schrei in ein ersticktes Kreischen verwandelte. Das bedrohliche Knacken sprach für sich, das Kreischen erstarb. Fast angewidert ließ Kirschkralle das Junge fallen. Blut tropfte von seinem Nacken. Sie hatte ihm das Genick gebrochen. Einem unschuldigen Jungen. "Nun wird er gar nichts mehr." Wolfslieds Augen weiteten sich entsetzt, sie stürzte nach vorne und grub ihre Nase in das erkaltende Fell des Katers. "Mein Neffe", heulte sie. "Mein süßer, mein armer kleiner Neffe!" "Hätte sich mal der Vater gestellt. Ich werde nochmal fragen. Und wenn er sich dann nicht zu erkennen gibt, wird das nächste Junge sterben." Ab da an reicht es Sonnenstern. Sie stieß einen hohlen, wütenden Kampfschrei aus und stürzte sich auf die EchoClan Katzen. Ihr folgte der ganze HurrikanClan, sie verjagten die Eindringlinge, trieben sie davon. Die Fremden fauchten und bespuckten sie. Schließlich ließen sie die Jungen fallen und flohen in den Wald hinein, nur eine Spur des Blutes hinter sich herziehend. Übrig blieb Kirschkralle, die Sonnenstern voller Wut ansah: "Mögen die Bastarde mit dem ganzen HurrikanClan sterben!" Dann rannte auch sie davon. Wolfslied kauerte immer noch über dem Kadaver. Langsam ging Sonnenstern zu ihr herüber, drückte ihre Schnauze in ihr Fell und verschränkte ihren Schweif mit ihrem. "Schhhhh...Wolfslied, was bringt es, über einen Toten zu trauern, wenn du drei Leben retten kannst?" Wolfslied blickte sie aus leeren, traurigen Augen an. "Aber...er ist tot", wiederholte sie kraftlos. "Sie hat meinen Neffen getötet, und meine Schwester noch dazu." "Aber wenn du den anderen Jungen nicht hilfst, werden sie auch sterben. Willst du, dass wegen Kirschkralle noch mehr Unschuldige sterben?!" Sie schüttelte matt den Kopf. "Dann gib ihnen deine Milch, du kannst sie retten. Wirst du das tun, wirst du deine Neffen und Nichten aufwachsen sehen sollen?" Wolfslied nickte, aber die Tränen flossen trotzdem wieder über ihr Gesicht. Sonnenstern leckte ihr sanft die Wangen trocken. "Komm, ich helfe dir beim Tragen." Gemeinsam trugen sie die drei Jungen weg, in die warme Kinderstube hinein. Beim Geruch von Milch erwachte der Lebensgeist der Kleinen. Sie maunzten schwach und begannen zu zappeln. Sanft zog Wolfslied sie an ihren Bauch zu ihren eigenen Söhnen, säugte alle fünf. "Sie sind so wunderschön." Sonnenstern nickte leicht und lächelte, als Fasanherz' Jungen sich mit runden, warmen Bäuchen schnurrend in Wolfslieds Fell vergruben: "Das sind sie. Bestimmt schaut ihr Geschwisterchen vom SternenClan zu und freut sich, dass du sie gerettet hast." "Wahrscheinlich... aber darf ich um etwas Bitten, Sonnenstern?" "Sicher doch", miaute die Anführerin. Wolfslied hob den Kopf und blickte sie glühend an: "Ich möchte wissen, wer ihr Vater ist. Ich werde diese Jungen aufziehen wie meine eigenen, ihnen mein Wissen lehren, aber ich will auch, dass sie wissen wer sie sind. Halb EchoClan, halb HurrikanClan, denn sie sollen wissen, dass Blut nicht zählt, wenn man für seinen Clan lebt." Sonnenstern neigte bestätigend den Kopf: "Es solle geschehen, Soldatin."

SneaksBearbeiten

1Bearbeiten

Wolfpaw's head felt like somebody had thrown stones at it. It hurt so much that she couldn't see clear anymore. Everything around her was a little indistinct like haze had sunken down on her eyesight and had blurred the world. She closed her eyes again, hoping it would make the pain stop. It didn't help. Not even a little. The bump on her occiput pulsated with every second. "Ouch...!", she said when Wolfpaw accidently layed her head on the edge of the nest she tried to sleep in.

"Is everything alright?" The voice belonged to someone familiar. She tried to look up but couldn't recognize who was there. "Who is it?" she mumbled. "It's me. Thunderpaw. You know? My sister and I carried you over here after Cloudjumper had taken care of you." Wolfsong gave her best to remember but she just couldn't. "I don't know. It's gone. I don't remember anything. The last thing I'm sure that it really happend was that somebody screamed 'take her to the medicine cat!' but what after this moment...it's like...no it's just gone. I'm sorry." "No need for excuses", Thunderpaw sounded angry. "The only one needing to apologize is Cherryclaw. If Maplestar hadn't told her that you needed some rest, she would have already taken you back to train your climbing skills. She's crazy!" "No... She isn't. She wants the best for me. And the best is to learn how to fight your own fear." "If you say so..." He didn't really seem to believe her anyway but Wolfpaw did not mind.

But she still felt like needing to say something, so she asked: "you said you took me here even if I don't remember it anymore... well, that's nice but didn't you need to hunt, be on patrol oder something?" "No", he laughed. "My mentor told me to take a day off. My sister was here because her training session was already over." "Oh." Wolfpaw couldn't see the point of taking a break, so she didn't answer him. Thunderpaw looked at her: "How's your head?" "Feels like all my nerves have died." "Sounds painful." "Indeed. It is." They sat there in silence until Wolfpaw mumbled: "Did somebody tell you when I'm able to fight again?" "No." "Can you go and ask?" "No." "Why not?" "Wolfpaw, what's up with you?! You had an accident! How can you even think of training?!" "I don't know..." she said and she meant it. Wolfpaw honestly didn't know. "It just feels like...I have to do something for the clan instead of laying around." "Curse the EchoClan and it's thing about pure blood! They need fresh kittens so they need you and your siblings to grow up quick to be the parents of the next generation. Man, Wolfpaw can't you see? They make the ones like you rot! Or did they ever tried something like that on me?"

"Wait...hold on", Wolfpaw lifted up her head even through it hurt even more. "If you say it in that way...it means you aren't pure, are you?" Thunderpaw laughed bitterly: "No. I am not. I've got kittypet influence somewhere and they treat my whole family like we comitted a crime. Sometimes I feel like they don't even train us as good like you." "That might be the reason for the day off." "Probably." Wolfpaw had never seen it that way. She had never thought about what happend to cats without good blood in their veins. "I'd love to be pure", he said. She looked away: "And I liked to be like you. Normal. Not forced to be someone. To be honest...sometimes I'd like to be a pariah, a outcast like Horizonkit. A bastard."

Thunderpaw looked at her like she had told him, she was a flying mountain goat with rabbit ears. Wolfpaw expected him to say something like 'don't even think about such things!' or 'did the accident destroy all of your brain?!' but he didn't. He just closed his dark eyes and answered: "Not everything is meant to be." Then he got up. "I'll come back later, I'm going to get me mouse or a crow. Do you want something?" She shook her head. He left. His dark fur become one with the darkness all around and Wolfpaw felt like it was a goodbye forever.

StorylineBearbeiten

Sonnenjunges wird außerhalb des Lagers geboren. Als Morgensee die ersten Wehen bei einem zufälligen Treffen mit ihrem heimlichen Gefährten Rauchkralle verspürt, bringt sie glücklicherweise ohne Komplikationen ein gesundes Junges zur Welt. Man einigt sich auf den Namen Sonnenjunges für die kleine Kätzin. Alles scheint Bestens zu sein. Am frühen Morgen bringt Morgensee ihre Tochter ins Lager des WasserfallClans und erklärt, sie hätte bei einem zufälligen Waldspaziergang geworfen. Dort verkündet sie auch den Namen. Der Clan ist sehr glücklich über das Junge, selbst wenn der Vater unbekannt ist. Momentan gibt es weder trächtige Kätzinnen noch Schüler. Daher ist die unverhoffte Nachzucht sehr erwünscht. Morgensee zieht in die Kinderstube, wo sie sich mit mütterlicher Fürsorge um die Kleine kümmert.

Giftblick besucht die Kinderstube. Sie wurde von Nesselstern geschickt um nach Sonnenjunges zu sehen.






Sumpfschweif und Harzblatt besuchen Sonnenjunges und Morgensee öfters in der Kinderstube. Sie sind Sonnenjunges Halbgeschwister, deren Vater Braunstreif ist. Sonnenjunges spielt begeistert mit den beiden. Sumpfschweif zeigt ihr das Lager, während Morgensee einen Spaziergang macht. Dabei lernt Sonnenjunges die Anführerin des Clan kennen, Nesselstern, und deren Schwester, Giftblick, welche die Heilerin des Clans ist.

Nach einigen Tagen zeigen sich aber erste Veränderungen. Die Stimmung im Clan ist gedrückt. Die ersten Katzen erzählen sich Gerüchte. Einige glauben, sie wäre die Tochter Braunstreifs, der sich aber selber aus der Diskussion raushält, andere sprechen von einem Hauskätzchen, Einzelläufer oder Streuner als Vater. Morgensee reagiert abweisend, ja sogar aggressiv, auf die Fragen bezüglich Sonnenjunges. Ihre unterdrückte Wut, Angst, etc. lässt sie an Sonnenjunges aus. Zu allem Überfluss trennt sich auch noch Rauchkralle von ihr, was zu einem endgültigen emotionalen Knacks bei ihr führt. Morgensee verfällt langsam dem Wahnsinn.

Morgensee trägt Sonnenjunges zu den Klippen, um ihre Tochter dort zu töten, doch Sonnenjunges schreit laut, als Morgensee sie über den Abgrund halten will. Das erweckt die Aufmerksamkeit von Nesselstern und einigen weiteren WasserfallClan-Katzen, welche von der Großen Versammlung kommen und sofort zu den Klippen eilen. Dort sehen sie mit Schrecken das entsetzliche Bild. Plötzlich taucht ein Kater auf, der ebenfalls den Lärm vernommen hat. Es ist Rauchkralle, ein Krieger des HurrikanClans. Zusammen mit Nesselstern schafft Rauchkralle es, Morgensee zu beruhigen und Nesselstern nimmt Sonnenjunges zu sich. Rauchkralle offenbart dass er der Gefährte von Morgensee war und der Vater von Sonnenjunges ist. Die anwesenden WasserfallClan-Katzen sind.

Folgt...

TimelineBearbeiten

Jahr -1:Bearbeiten

  • Mond 1 (Januar):
  • Mond 2 (Februar):
  • Mond 3 (März):
  • Mond 4 (April):
  • Mond 5 (Mai):
  • Mond 6 (Juni):
  • Mond 7 (Juli):
  • Mond 8 (August):
  • Mond 9 (September):
    • Hermine/Hermelin wird geboren.
  • Mond 10 (Oktober):
  • Mond 11 (November):
  • Mond 12 (Dezember):

Jahr 0:Bearbeiten

  • Mond 1 (Januar):
    • Gaara/Sandjunges wird geboren.
  • Mond 2 (Februar):
  • Mond 3 (März):
    • Ron/Rot wird geboren.
    • Eileen/Nacht wird geboren.
    • Sakura/Kirschblütenjunges wird geboren.
  • Mond 4 (April):
  • Mond 5 (Mai):
  • Mond 6 (Juni):
    • Draco/Frettchen wird geboren.
    • Karin wird geboren.
  • Mond 7 (Juli):
    • Sasuke/Falkenjunges wird geboren.
    • Harry/Blitz wird geboren.
  • Mond 8 (August):
    • Shani/Sonnenjunges wird geboren.
  • Mond 9 (September):
  • Mond 10 (Oktober):
    • Naruto/Wirbeljunges wird geboren.
  • Mond 11 (November):
  • Mond 12 (Dezember):
    • Hinata wird geboren.

Jahr 1Bearbeiten

  • Mond 1 (Januar):
    • Alex/Leuchtjunges wird geboren.
  • Mond 2 (Februar):
    • Luna/Silber wird geboren.
    • Sonnenjunges wird zur Schülerin ernannt. Ihr Mentor wird Finsterpelz.
  • Mond 3 (März):
  • Mond 4 (April):
  • Mond 5 (Mai):
  • Mond 6 (Juni):
  • Mond 7 (Juli):
    • Amelia/Flutjunges wird geboren.
  • Mond 8 (August):
    • Ginny/Flamme wird geboren.
    • Sonnenpfote wird zur Kriegerin ernannt.
  • Mond 9 (September):
  • Mond 10 (Oktober):
  • Mond 11 (November):
  • Mond 12 (Dezember):

Jahr 2Bearbeiten

  • Mond 1 (Januar):
  • Mond 2 (Februar):
  • Mond 3 (März):
  • Mond 4 (April):
  • Mond 5 (Mai):
  • Mond 6 (Juni):
  • Mond 7 (Juli):
  • Mond 8 (August):
  • Mond 9 (September):
  • Mond 10 (Oktober):
  • Mond 11 (November):
  • Mond 12 (Dezember):
    • Katharina/Rattenjunges wird geboren.

Jahr 3Bearbeiten

  • Mond 1 (Januar):
    • Eschenjunges, Wolfsjunges und Fasanjunges werden geboren.
  • Mond 2 (Februar):
  • Mond 3 (März):
  • Mond 4 (April):
  • Mond 5 (Mai):
  • Mond 6 (Juni):
  • Mond 7 (Juli):
  • Mond 8 (August):
  • Mond 9 (September):
  • Mond 10 (Oktober):
  • Mond 11 (November):
  • Mond 12 (Dezember):

Jahr 4Bearbeiten

  • Mond 1 (Januar):
    • Wolfspfote wird zur Kriegerin ernannt.
  • Mond 2 (Februar):
  • Mond 3 (März):
  • Mond 4 (April):
  • Mond 5 (Mai):
  • Mond 6 (Juni):
  • Mond 7 (Juli):
  • Mond 8 (August):
  • Mond 9 (September):
  • Mond 10 (Oktober):
  • Mond 11 (November):
  • Mond 12 (Dezember):

Jahr 5Bearbeiten

  • Mond 1 (Januar):
  • Mond 2 (Februar):
  • Mond 3 (März):
  • Mond 4 (April):
  • Mond 5 (Mai):
  • Mond 6 (Juni):
  • Mond 7 (Juli):
  • Mond 8 (August):
  • Mond 9 (September):
  • Mond 10 (Oktober):
  • Mond 11 (November):
  • Mond 12 (Dezember):

Jahr 6Bearbeiten

  • Mond 1 (Januar):
  • Mond 2 (Februar):
  • Mond 3 (März):
  • Mond 4 (April):
  • Mond 5 (Mai):
  • Mond 6 (Juni):
  • Mond 7 (Juli):
  • Mond 8 (August):
  • Mond 9 (September):
  • Mond 10 (Oktober):
  • Mond 11 (November):
  • Mond 12 (Dezember):

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